Amortisation

Kurz erklärt

Amortisation bezeichnet den Rückfluss des in eine Investition eingesetzten Kapitals und, nach englischem Vorbild, die Abschreibung immaterieller Werte.

Was bedeutet Amortisation?

Amortisation bezeichnet den Rückfluss des in eine Investition eingesetzten Kapitals und, nach dem Vorbild des englischen amortization, die planmäßige Abschreibung immaterieller Vermögenswerte. Eine Investition hat sich amortisiert, sobald die zusätzlichen Einzahlungen oder Einsparungen, die sie bringt, ihre Anschaffungskosten wieder eingespielt haben; die Zeit bis dahin heißt Amortisationsdauer (englisch Payback Period). Im Rechnungswesen steht Amortisation für die Abschreibung von Software, Lizenzen oder eines erworbenen Kundenstamms.

Daneben wird das Wort für die planmäßige Rückzahlung eines Darlehens über seine Laufzeit verwendet, die ein Tilgungsplan festlegt. Gemeinsam ist allen Bedeutungen der Gedanke, dass ein Betrag über die Zeit zurückgeführt oder verteilt wird. Unternehmen begegnet der Begriff bei Investitionsentscheidungen, in Bankgesprächen, im Finanzmodell und in der Kaufpreisverhandlung, etwa im EBITDA, dessen A für die Abschreibung immaterieller Werte steht. Weil der Begriff mehrdeutig ist, sollte in Unterlagen und Verhandlungen eindeutig sein, welche Bedeutung gemeint ist.

Amortisation einer Investition berechnen

Statische Amortisationsrechnung

Die statische Rechnung vergleicht die Anschaffungsauszahlung mit dem durchschnittlichen jährlichen Rückfluss:

Formel: Amortisationsdauer in Jahren = Anschaffungsauszahlung ÷ durchschnittlicher jährlicher Rückfluss

Rückfluss ist der zusätzliche Zahlungsüberschuss, den die Investition erzeugt: zusätzliche Einzahlungen oder eingesparte Auszahlungen, vermindert um die laufenden Auszahlungen für Betrieb und Wartung. Abschreibungen sind kein Zahlungsabfluss und gehören nicht in die Rechnung. Schwanken die Rückflüsse von Jahr zu Jahr, werden sie kumuliert, bis ihre Summe die Anschaffungsauszahlung erreicht.

Dynamische Amortisationsrechnung

Die dynamische Rechnung berücksichtigt den Zeitwert des Geldes. Jeder künftige Rückfluss wird mit einem Kalkulationszinssatz auf den Investitionszeitpunkt abgezinst (Discount Rate). Die Investition hat sich amortisiert, sobald die Summe der abgezinsten Rückflüsse die Anschaffungsauszahlung erreicht. Die dynamische Amortisationsdauer ist deshalb stets länger als die statische.

Aussagekraft und Grenzen

Die Amortisationsdauer ist ein Maß für das Risiko, nicht für die Rentabilität. Sie zeigt, wie lange eingesetztes Kapital gebunden und dem Ausfallrisiko ausgesetzt ist. Was nach dem Amortisationszeitpunkt geschieht, blendet sie aus. Zwei Investitionen mit gleicher Amortisationsdauer können sehr unterschiedlich rentabel sein, wenn die eine danach noch jahrelang Überschüsse liefert und die andere wertlos wird. Für Investitionsentscheidungen wird sie deshalb mit dem Kapitalwert (Summe aller abgezinsten Zahlungen der Investition) oder dem internen Zinsfuß (der Verzinsung, die die Investition erwirtschaftet) kombiniert.

Amortisation als Abschreibung immaterieller Werte

Das HGB kennt den Begriff Amortisation nicht. Es spricht einheitlich von Abschreibungen, gleich ob Sachanlagen oder immaterielle Vermögensgegenstände betroffen sind. Das Englische unterscheidet dagegen depreciation für Sachanlagen wie Maschinen und Gebäude und amortization für immaterielle Vermögenswerte wie Software, Lizenzen, Kundenbeziehungen oder den Firmenwert. Über englischsprachige Abschlüsse, Bewertungen und Kreditverträge ist Amortisation in diesem Sinn auch im deutschen Sprachgebrauch verbreitet. Die verwandte Kennzahl EBITA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Amortisation) zieht deshalb nur die Abschreibungen auf Sachanlagen ab. Die Abschreibungen auf immaterielle Werte, vor allem auf einen erworbenen Firmenwert, bleiben außen vor.

Besonderes Gewicht hat diese Amortisation nach einem Unternehmenskauf. Der Erwerber verteilt den Kaufpreis auf die übernommenen Vermögenswerte und Schulden (Kaufpreisallokation). Dabei werden auch immaterielle Werte wie Technologie, Kundenbeziehungen und Marken angesetzt, die beim verkauften Unternehmen nicht in der Bilanz standen. Was vom Kaufpreis übrig bleibt, ist der Geschäfts- oder Firmenwert. Die planmäßige Abschreibung dieser Werte mindert in den Folgejahren das EBIT, nicht aber das EBITDA, und sie kostet keine Liquidität, weil mit dem Kaufpreis bereits bezahlt wurde.

Beim Firmenwert unterscheiden sich die Regelwerke. Nach HGB wird ein entgeltlich erworbener Geschäfts- oder Firmenwert planmäßig über seine Nutzungsdauer abgeschrieben; lässt sie sich nicht verlässlich schätzen, über zehn Jahre. Steuerlich wird ein Firmenwert, der bei einem Asset Deal (Kauf der einzelnen Vermögensgegenstände statt der Anteile) erworben wird, über 15 Jahre abgeschrieben. Nach IFRS wird er nicht planmäßig abgeschrieben, sondern jährlich auf Wertminderung geprüft.

Amortisation eines Darlehens: der Tilgungsplan

In der Finanzierung bezeichnet Amortisation die planmäßige Rückführung eines Darlehens, wie sie der Tilgungsplan festlegt. Verbreitet sind Ratendarlehen mit gleichbleibender Tilgung, Annuitätendarlehen mit gleichbleibender Gesamtrate aus Zins und Tilgung und endfällige Darlehen, die erst am Ende in einer Summe zurückgezahlt werden. Förderdarlehen sehen oft tilgungsfreie Anlaufjahre vor. Venture Debt beginnt häufig mit einer Phase, in der nur Zinsen gezahlt werden, und geht danach in eine monatliche Tilgung über. Im Leasing unterscheidet man Vollamortisationsverträge, bei denen die Raten der Grundmietzeit alle Kosten des Leasinggebers decken, und Teilamortisationsverträge, bei denen ein Restwert offen bleibt.

Für die Gesellschaft ist die Unterscheidung von Zins und Tilgung wesentlich: Zinsen sind Aufwand und mindern das Ergebnis, die Tilgung verringert nur die Verbindlichkeit und belastet allein die Liquidität. Die Summe aus beiden ist der Kapitaldienst, an dem Banken die Kapitaldienstfähigkeit messen.

Bedeutung in Finanzierung und Unternehmenskauf

Bei der Aufnahme von Fremdkapital prüfen Banken, ob der Tilgungsplan zum erwarteten Cashflow und zur Nutzungsdauer des finanzierten Gegenstands passt. Eine Maschine, die zehn Jahre genutzt wird, lässt sich über sieben Jahre tilgen, eine Softwarelizenz mit drei Jahren Nutzungsdauer dagegen nicht. In der Akquisitionsfinanzierung, etwa bei einem Management-Buy-out, bestimmt das Tilgungsprofil, wie viel Fremdkapital das übernommene Unternehmen aus seinem Free Cash Flow bedienen kann. Ein Verkäuferdarlehen wird dabei meist erst nach dem Bankdarlehen getilgt.

In Wachstumsunternehmen wird die Logik der Amortisation auf die Kundengewinnung übertragen. Die CAC Payback Period misst, nach wie vielen Monaten der Deckungsbeitrag eines Kunden seine Gewinnungskosten eingespielt hat. Investoren nutzen sie als Frühindikator dafür, wie kapitalintensiv das Wachstum ist.

Rechenbeispiel: Amortisation berechnen für Investition und Zukauf

Ein Unternehmen investiert 240.000 Euro in eine Software zur Automatisierung seiner Rechnungsprüfung. Sie spart jährlich 90.000 Euro Personalkosten und verursacht 18.000 Euro laufende Lizenz- und Wartungskosten. Der Kalkulationszinssatz beträgt 8 %.

  • Jährlicher Rückfluss: 90.000 minus 18.000 = 72.000 Euro
  • Statische Amortisationsdauer: 240.000 / 72.000 = 3,33 Jahre, also rund drei Jahre und vier Monate
  • Abgezinste Rückflüsse der Jahre 1 und 2: 72.000 / 1,08 = 66.667 Euro und 72.000 / 1,1664 = 61.728 Euro
  • Abgezinste Rückflüsse der Jahre 3 und 4: 72.000 / 1,2597 = 57.156 Euro und 72.000 / 1,3605 = 52.922 Euro
  • Summe nach vier Jahren: 66.667 + 61.728 + 57.156 + 52.922 = 238.473 Euro, also noch 1.527 Euro unter der Anschaffungsauszahlung
  • Dynamische Amortisationsdauer: knapp über vier Jahre, weil im fünften Jahr weitere 49.002 Euro hinzukommen

Die Investition hat sich statisch nach gut drei Jahren, unter Berücksichtigung des Zinses erst nach gut vier Jahren bezahlt gemacht. Wird die Software voraussichtlich fünf Jahre genutzt, bleibt nur ein knapper Puffer; bei drei Jahren Nutzung würde sie sich nicht amortisieren.

Die zweite Bedeutung zeigt ein Zukauf. Ein Softwareunternehmen erwirbt im Wege eines Asset Deals den Geschäftsbetrieb eines kleineren Wettbewerbers für 2.000.000 Euro. In der Kaufpreisallokation werden die übernommenen Kundenbeziehungen mit 900.000 Euro und die übernommene Software mit 600.000 Euro angesetzt. Das EBITDA des Unternehmens beträgt nach dem Zukauf 1.500.000 Euro, die Abschreibungen auf Sachanlagen 100.000 Euro.

  • Firmenwert: 2.000.000 minus 900.000 minus 600.000 = 500.000 Euro
  • Amortisation der Kundenbeziehungen über sechs Jahre: 900.000 / 6 = 150.000 Euro jährlich
  • Amortisation der Software über vier Jahre: 600.000 / 4 = 150.000 Euro jährlich
  • Amortisation des Firmenwerts nach HGB über zehn Jahre, weil sich seine Nutzungsdauer nicht verlässlich schätzen lässt: 500.000 / 10 = 50.000 Euro jährlich
  • Amortisation insgesamt: 150.000 + 150.000 + 50.000 = 350.000 Euro jährlich
  • EBITA: 1.500.000 minus 100.000 = 1.400.000 Euro
  • EBIT: 1.400.000 minus 350.000 = 1.050.000 Euro
  • Steuerliche Abschreibung des Firmenwerts über 15 Jahre: 500.000 / 15 = rund 33.333 Euro jährlich

Die Amortisation mindert das EBIT um ein Viertel des EBITA, ohne dass in den Folgejahren Liquidität abfließt; bezahlt wurde mit dem Kaufpreis. Käufer und Banken betrachten nach Zukäufen deshalb häufig EBITDA oder EBITA, um das laufende Geschäft unverzerrt zu sehen.

Abgrenzung: Amortisation, Abschreibung, Tilgung und Break-even

  • Abschreibung: der handelsrechtliche Oberbegriff für die Verteilung von Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer. Amortisation im Sinne des Rechnungswesens ist der Teil, der auf immaterielle Werte entfällt; die Amortisationsdauer einer Investition misst dagegen, wann das eingesetzte Geld zurückgeflossen ist.
  • Tilgung: die einzelne Rückzahlung auf ein Darlehen. Amortisation bezeichnet den gesamten Rückführungsverlauf, den der Tilgungsplan beschreibt.
  • Break-even: der Punkt, an dem Erlöse die Kosten einer Periode decken. Er beschreibt eine Ergebnisschwelle, keinen Kapitalrückfluss.

Typische Fehler

  • Mit dem Gewinn statt mit dem Zahlungsüberschuss rechnen. Wer den Gewinn nach Abschreibungen ansetzt, rechnet die Amortisationsdauer künstlich länger.
  • Folgekosten weglassen. Wartung, Lizenzen, Schulung und Ersatzteile verringern den Rückfluss und gehören in die Rechnung.
  • Nur die Amortisationsdauer betrachten. Sie sagt nichts über Erträge nach dem Amortisationszeitpunkt und begünstigt kurzfristige Vorhaben.
  • Bedeutungen verwechseln. Steht in einem Kreditvertrag oder einer Bewertung „Amortisation“, ist zu klären, ob Abschreibungen oder Tilgungen gemeint sind. Die einen mindern das Ergebnis, die anderen nur die Liquidität.
  • Tilgungsfreie Phasen übersehen. Endet die Zinsphase eines Darlehens, steigt der Kapitaldienst sprunghaft; eine Planung, die das nicht abbildet, überschätzt die Runway.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Amortisation und Abschreibung?

Das hängt von der Bedeutung ab. Die Abschreibung ist ein Buchungsvorgang, der Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer verteilt. Die Amortisation einer Investition ist dagegen eine Entscheidungsgröße, die den Rückfluss des eingesetzten Kapitals misst. Im Sinne des Rechnungswesens ist Amortisation schließlich ein Teil der Abschreibungen, nämlich der auf immaterielle Vermögenswerte.

Welche Amortisationsdauer ist akzeptabel?

Das hängt von Nutzungsdauer und Risiko ab. Eine Amortisation in fünf Jahren ist bei einer Anlage mit zehn Jahren Nutzungsdauer unauffällig, bei einer Software, die nach drei Jahren ersetzt wird, dagegen nicht tragbar. Viele Unternehmen legen für Investitionsentscheidungen eine Höchstdauer fest.

Warum steht das A in EBITDA für amortization?

Weil das englische Rechnungswesen Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte als amortization bezeichnet. EBITDA ist also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und sämtlichen Abschreibungen.

Ist ein Annuitätendarlehen teurer als ein Ratendarlehen?

Bei gleichem Zinssatz und gleicher Laufzeit fallen insgesamt etwas mehr Zinsen an, weil die Restschuld anfangs langsamer sinkt. Bei 500.000 Euro, fünf Jahren Laufzeit und 6 % Zins kostet das Ratendarlehen 90.000 Euro Zinsen, das Annuitätendarlehen rund 93.500 Euro. Dafür bleibt die jährliche Rate beim Annuitätendarlehen mit rund 118.700 Euro gleich, während sie beim Ratendarlehen von 130.000 auf 106.000 Euro sinkt.

Wird selbst entwickelte Software amortisiert?

Ja, wenn das Unternehmen die Entwicklungskosten nach dem Wahlrecht des HGB in die Bilanz aufgenommen hat. Sie werden dann über die voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben. Werden die Kosten sofort als Aufwand gebucht, gibt es nichts zu amortisieren; steuerlich ist das ohnehin der einzige Weg.

Roemer Capital Perspektive

Bei Wachstumsunternehmen ist für uns die wichtigste Amortisationsrechnung die der Kundengewinnung. Einen CAC-Payback unter 12 Monaten sehen wir als Zeichen dafür, dass zusätzliches Kapital in Vertrieb und Marketing zügig zurückfließt. Liegt er deutlich darüber, erklären wir Investoren, woran das liegt und wie er sich entwickeln soll.

Bestehende Darlehen bilden wir im Finanzmodell mit ihrem vollständigen Tilgungsplan ab, einschließlich des Endes tilgungsfreier Phasen. So ist sichtbar, wie viel Runway nach Kapitaldienst tatsächlich bleibt und wann eine Anschlussfinanzierung nötig wird.

Zuletzt geprüft am 7. Oktober 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

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Artikel recherchiert und geschrieben von:

Amortisation
Lucas Roemer
Gründer und CEO
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