Kreditorenbuchhaltung

Kurz erklärt

Die Kreditorenbuchhaltung ist der Teil der Buchhaltung, der Rechnungen von Lieferanten (Verbindlichkeiten) erfasst, prüft, zur Zahlung freigibt und bezahlt.

Was ist die Kreditorenbuchhaltung?

Kreditorenbuchhaltung (englisch Accounts Payable) ist der Teil der Finanzbuchhaltung, in dem alle Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten und Dienstleistern erfasst, geprüft, zur Zahlung freigegeben und ausgeglichen werden. Kreditoren sind Geschäftspartner, die geliefert oder geleistet haben und deren Rechnungen das Unternehmen noch bezahlen muss. Jeder Kreditor erhält ein eigenes Personenkonto.

Die Kreditorenbuchhaltung ist ein Nebenbuch der Buchhaltung: Die Einzelheiten je Lieferant stehen dort, im Hauptbuch erscheint nur die Summe auf dem Sammelkonto Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Sie ist das Gegenstück zur Debitorenbuchhaltung und zugleich die letzte Kontrollstelle vor dem Geldabfluss: Hier wird entschieden, ob nur bezahlt wird, was bestellt, geliefert und richtig berechnet wurde. Investoren und Käufer lesen an den Lieferantenverbindlichkeiten ab, wie ein Unternehmen seine Liquidität steuert und ob es Zahlungen hinausschiebt.

Ablauf und Aufgaben der Kreditorenbuchhaltung

  1. Rechnungseingang: zentral über ein Postfach oder Portal. Seit 2025 müssen inländische Unternehmen strukturierte E-Rechnungen empfangen können, also Rechnungen als maschinenlesbaren Datensatz nach europäischer Norm. Eine einfache PDF-Datei gilt nicht als E-Rechnung.
  2. Formelle Prüfung: Pflichtangaben nach § 14 Abs. 4 UStG wie Rechnungsnummer, Leistungszeitraum und Steuersatz, dazu die Bankverbindung.
  3. Sachliche Prüfung: dreifacher Abgleich (Three-Way Match) von Bestellung, Wareneingang oder Leistungsnachweis und Rechnung.
  4. Kontierung: Zuordnung zu Sachkonto, Kostenstelle und Leistungsperiode.
  5. Freigabe: durch die fachlich verantwortliche Person, ab festgelegten Betragsgrenzen nach dem Vier-Augen-Prinzip, also mit Bestätigung durch eine zweite Person.
  6. Zahlungslauf: in festem Rhythmus unter Beachtung von Fälligkeit und Skontofrist, ausgelöst von einer anderen Person als der freigebenden.
  7. Abstimmung: Abgleich der Offene-Posten-Liste, der Liste aller unbezahlten Rechnungen, mit dem Sammelkonto und zum Monatsende Erfassung erhaltener, noch nicht berechneter Leistungen.

Kontrollen gegen Zahlungsmanipulation

Verbreitete Täuschungsversuche setzen an der Kreditorenbuchhaltung an: echt wirkende Rechnungen mit geänderter Bankverbindung oder eilige Zahlungsanweisungen, die angeblich von der Geschäftsführung stammen. Wirksam sind einfache Regeln. Eine neue Bankverbindung wird nur nach Rückruf unter einer bereits bekannten Telefonnummer übernommen, Stammdatenänderungen werden protokolliert und von einer zweiten Person bestätigt. Zahlungen ohne Bestellbezug und Freigabe werden nicht ausgeführt, auch wenn sie als dringend bezeichnet sind.

Umsatzsteuer und Steuerabzug

Die Umsatzsteuer in Eingangsrechnungen kann das Unternehmen als Vorsteuer mit der eigenen Umsatzsteuerschuld verrechnen. Dieser Vorsteuerabzug setzt eine Leistung für das Unternehmen und eine ordnungsgemäße Rechnung voraus (§ 15 Abs. 1 UStG). Fehlen Pflichtangaben, ist die Rechnung vor dem Abzug berichtigen zu lassen. Bei Leistungen ausländischer Unternehmer, etwa für Cloud-Dienste, Software oder Online-Werbung, schuldet in vielen Fällen der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer (§ 13b UStG). Er meldet sie an und zieht sie bei vollem Vorsteuerabzugsrecht zugleich als Vorsteuer ab. Wird Skonto gezogen, mindert sich die Bemessungsgrundlage, und die Vorsteuer ist für den Zeitraum der Zahlung zu berichtigen (§ 17 Abs. 1 UStG). Bei Vergütungen an ausländische Lizenzgeber kann ein Steuerabzug nach § 50a EStG hinzukommen, den der Zahlende einbehalten und abführen muss (Quellensteuer).

Zahlungsziele, Skonto und Liquidität

Das Zahlungsziel ist die Frist, die der Lieferant für die Zahlung einräumt, etwa 30 Tage. Skonto ist ein Preisnachlass, meist 2 % oder 3 %, für die Zahlung innerhalb einer kürzeren Frist. Ein Zahlungsziel wirkt deshalb wie ein Kredit des Lieferanten, dessen Preis das nicht gezogene Skonto ist. Seinen Jahreszins schätzt die übliche kaufmännische Näherung.

Formel: Jahreszins des Lieferantenkredits (Näherung) = Skontosatz × 360 ÷ (Zahlungsziel − Skontofrist)

Der Lieferantenkredit ist damit meist um ein Mehrfaches teurer als ein Kontokorrentkredit, der Kreditrahmen auf dem Geschäftskonto. Als Kennzahl dient das Lieferantenziel (Days Payables Outstanding, DPO).

Formel: Lieferantenziel (DPO) = Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ÷ Einkaufsvolumen des Zeitraums × Tage des Zeitraums, beide Größen brutto oder beide netto

Ein steigendes Lieferantenziel kann auf verbesserte Konditionen oder auf knappe Liquidität zurückgehen. Den Unterschied zeigt die Altersstruktur: Wachsen die überfälligen Posten, schiebt das Unternehmen Zahlungen hinaus. Werden fällige Verbindlichkeiten dauerhaft nicht bezahlt, kann das auf Zahlungsunfähigkeit hindeuten (§ 17 InsO), die eine Antragspflicht der Geschäftsführung auslöst (§ 15a InsO). Die Kreditorenbuchhaltung ist deshalb eine der wichtigsten Datenquellen der Liquiditätsplanung.

Rechenbeispiel: Skonto in der Kreditorenbuchhaltung

Eine Eingangsrechnung für bezogene Leistungen lautet über 11.900 Euro brutto, also 10.000 Euro netto zuzüglich 1.900 Euro Umsatzsteuer. Zahlungsbedingung: 2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen, sonst 30 Tage netto. Das Unternehmen finanziert sich über einen Kontokorrentkredit zu angenommenen 9 % im Jahr.

  • Buchungssatz bei Rechnungseingang (Soll an Haben): Fremdleistungen 10.000 und Vorsteuer 1.900 an Kreditor 11.900
  • Skonto: 2 % von 11.900 = 238 Euro; Zahlbetrag 11.662 Euro
  • Darin enthaltene Umsatzsteuer: 238 ÷ 1,19 × 0,19 = 38 Euro; die Vorsteuer sinkt von 1.900 auf 1.862 Euro
  • Nettoersparnis: 238 minus 38 = 200 Euro; der Aufwand sinkt von 10.000 auf 9.800 Euro
  • Buchungssatz bei Zahlung mit Skonto: Kreditor 11.900 an Bank 11.662, erhaltene Skonti 200 und Vorsteuer 38
  • Näherungszins des Lieferantenkredits: 2 % × 360 ÷ (30 minus 10) = 36 % im Jahr
  • Zinsen für die um 20 Tage frühere Zahlung: 11.662 × 9 % × 20 ÷ 360 = rund 58 Euro
  • Vorteil der Skontozahlung: 200 minus 58 = rund 142 Euro je Rechnung

Hochgerechnet auf ein skontofähiges Einkaufsvolumen von 1,19 Mio. Euro brutto im Jahr, das Hundertfache der Beispielrechnung, ergibt sich ein Vorteil von rund 14.200 Euro. Der Umsatzsteueranteil des Skontos zählt dabei nicht, weil die Vorsteuer ohnehin verrechnet oder erstattet worden wäre. Zu vergleichen ist allein die Nettoersparnis mit den Finanzierungskosten.

Kreditoren in Due Diligence und Kaufpreis

In der Due Diligence werden die Offene-Posten-Liste der Kreditoren mit Altersstruktur, die größten Lieferanten mit ihren Vertragsbedingungen und die Zahlungen nach dem Stichtag angefordert. Diese Zahlungen dienen der Suche nach Verbindlichkeiten, die zum Stichtag bereits bestanden, aber nicht erfasst waren. Daneben prüfen Investoren und Käufer Rückstellungen für ausstehende Rechnungen, Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern und nahestehenden Personen sowie Lieferverträge mit Change-of-Control-Klauseln, die dem Lieferanten bei einem Eigentümerwechsel ein Kündigungsrecht geben.

Im Kaufpreis wirken Lieferantenverbindlichkeiten über das Working Capital. Schiebt der Verkäufer vor dem Vollzug Zahlungen hinaus, sinkt das Working Capital unter das vereinbarte Normalniveau. Ist eine Working-Capital-Anpassung vereinbart, gleicht sie diesen Liquiditätsvorteil über einen niedrigeren Kaufpreis aus. Lange überfällige Posten behandeln Käufer häufig wie Finanzschulden. Qualität zeigt sich an einem Lieferantenziel nahe den vereinbarten Bedingungen, wenigen überfälligen Posten, dokumentierten Freigabewegen und einer Trennung von Freigabe und Zahlung.

Abgrenzung: Kreditorenbuchhaltung, Verbindlichkeiten und Einkauf

  • Verbindlichkeiten: der umfassendere Bilanzposten, zu dem auch Bankdarlehen, Steuerschulden und Gesellschafterdarlehen gehören. Die Kreditorenbuchhaltung erfasst nur die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.
  • Einkauf: verhandelt Konditionen und löst Bestellungen aus. Die Kreditorenbuchhaltung prüft und bezahlt; die Trennung beider Aufgaben ist eine Grundregel interner Kontrolle.
  • Rückstellungen für ausstehende Rechnungen: erfassen erhaltene Leistungen, für die noch keine Rechnung vorliegt. Grundlage sind offene Bestellungen und Leistungsnachweise.

Typische Fehler

  • Zahlung ohne Bestellbezug. Ohne Abgleich mit Bestellung und Leistungsnachweis fällt nicht auf, wenn eine Leistung nie erbracht oder doppelt berechnet wurde.
  • Bankdaten per E-Mail geändert. Die Übernahme einer neuen Bankverbindung ohne Rückruf ist ein verbreiteter Ansatzpunkt für umgeleitete Zahlungen.
  • Fehlende Funktionstrennung. Wer Rechnungen freigibt und zugleich Zahlungen auslöst, kontrolliert sich selbst, sodass Fehler und Manipulationen unentdeckt bleiben können.
  • Skonto trotz Liquidität verfallen lassen. Bei einem Näherungszins von rund 36 % ist ein nicht gezogenes Skonto eine teure Form der Finanzierung.
  • Keine Abgrenzung zum Monatsende. Fehlen Rechnungen für bereits erhaltene Leistungen, weist der Monat ein zu gutes Ergebnis aus.
  • Übersehene Steuerschuld des Leistungsempfängers. Rechnungen ausländischer Anbieter ohne Umsatzsteuer lösen eine eigene Steuerschuld aus, die in der Voranmeldung fehlt, wenn sie nicht erkannt wird.

Häufige Fragen

Sind PDF-Rechnungen im Inland noch zulässig?

Übergangsweise ja, zwischen inländischen Unternehmen aber nur noch befristet. Für Umsätze bis Ende 2026 dürfen Papierrechnungen und, mit Zustimmung des Empfängers, andere elektronische Formate wie PDF weiter verwendet werden. Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz bis 800.000 Euro dürfen das noch bis Ende 2027 (Stand 2026). Empfangen können müssen strukturierte E-Rechnungen alle inländischen Unternehmen bereits seit 2025.

Wie viele Personen braucht eine sichere Kreditorenbuchhaltung?

Mindestens zwei für Zahlungen oberhalb einer festgelegten Betragsgrenze. Freigabe und Zahlungsauslösung müssen dabei bei verschiedenen Personen liegen; in kleinen Unternehmen übernimmt häufig die Geschäftsführung die zweite Freigabe.

Worin unterscheiden sich Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung?

In der Richtung des Geldes. Kreditoren sind Lieferanten und Dienstleister, denen das Unternehmen Geld schuldet; Debitoren sind Kunden, die dem Unternehmen Geld schulden. Die Kreditorenbuchhaltung führt deshalb Verbindlichkeiten auf der Passivseite der Bilanz, die Debitorenbuchhaltung Forderungen auf der Aktivseite. Auch die Arbeit unterscheidet sich: Bei Kreditoren geht es um Prüfung, Freigabe und Zahlung, bei Debitoren um Rechnungsstellung, Mahnwesen und Ausfallrisiko.

Wann lohnt sich eine automatisierte Rechnungsverarbeitung?

In der Regel dann, wenn das Rechnungsvolumen die manuelle Prüfung spürbar belastet oder Freigaben über mehrere Standorte laufen. Mit strukturierten E-Rechnungen lassen sich Pflichtangaben, Bestellbezug und Kontierung weitgehend maschinell prüfen.

Roemer Capital Perspektive

Überfällige Lieferantenverbindlichkeiten lesen Investoren als frühes Zeichen knapper Liquidität. In der Vorbereitung einer Finanzierungsrunde gleichen wir deshalb die Altersstruktur der Kreditoren mit der Liquiditätsplanung ab und prüfen, ob die ausgewiesene Runway nur durch hinausgeschobene Zahlungen zustande kommt. Eine Runway von 12 bis 18 Monaten zu Prozessbeginn ist nur belastbar, wenn Lieferanten innerhalb ihrer Zahlungsziele bezahlt werden.

Freigabegrenzen, Vier-Augen-Prinzip und geschützte Stammdaten ordnen wir der Governance zu, einer der vier Säulen, auf die wir Unternehmen vor einem Prozess vorbereiten. Im Verkaufsprozess stellen wir zusätzlich die größten Lieferanten mit ihren Vertragsbedingungen zusammen, damit Abhängigkeiten und Kontrollwechselklauseln vor der Due Diligence bekannt sind.

Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

Brauchst du Unterstützung für dein Unternehmen?

Egal, ob du deinen Pitch verfeinerst, deine Fundraising-Strategie planst oder dein Unternehmen skalierst: Wir helfen dir gerne weiter.

Smiling young man with styled brown hair wearing a light blue shirt in an indoor setting.Smiling middle-aged man with short hair and beard wearing a dark blue shirt.Smiling woman with long dark hair wearing a dark polka-dot shirt indoors.Smiling elderly man with white hair outdoors, green blurred background.Smiling young man with short dark hair and beard wearing a striped shirt.
22 Bewertungen
5,0/5,0
A logo for a website that is black and white.

Artikel recherchiert und geschrieben von:

Kreditorenbuchhaltung
Lucas Roemer
Gründer und CEO
Zum Autor
Unsere Dienstleistungen

Dienstleistungen, die wir anbieten

Als Gründer oder Geschäftsführer stehst du vor der Herausforderung, Investoren von deiner Vision zu überzeugen. Genau hier kommen wir ins Spiel. Roemer Capital macht dein Unternehmen fit für das Fundraising: mit einer klaren Strategie, aussagekräftigen Finanzmodellen und einer professionellen Investorenstory sowie dem Zugang zu den richtigen Investoren.

Three men sitting in an office, smiling and laughing.

Professionellen Businessplan erstellen

Wir erstellen umfassende Geschäftspläne für Investoren, die Vision, Strategie und finanzielle Zukunft klar zum Ausdruck bringen.

A group of people sitting on stools in front of a window.

Fractional CFO für dein Wachstumsunternehmen

Wir machen dein Startup investierbar und steuerbar: mit Growth Consulting, strategischer Weitsicht und technischer CFO-Exzellenz.

Fundraising für Finanzierungsrunden

Vom Businessplan über das Pitchdeck bis zur Investorenansprache sichern wir deine Finanzierung in jeder Phase deines Wachstums.

M&A-Beratung bei Verkauf und Nachfolge

Wir bereiten dein Startup oder etabliertes Unternehmen strukturell und finanziell auf den optimalen Verkaufszeitpunkt vor und begleiten den Exit.