Exit Multiple
Der goldene Schnitt. Die Kapitalrendite. Die einzige Kennzahl, die für einen Limited Partner (LP) am Ende der Fondslaufzeit zählt.
Deep Dive: Was ist ein Exit Multiple?
Das Exit Multiple (oder MOIC - Multiple on Invested Capital) ist das einfache Verhältnis von: Cash Returned / Cash Invested.
Wenn ein VC 1 Mio. € investiert und 10 Mio. € zurückbekommt, ist das ein 10x Multiple.
Das ist der rohe "Score" des Deals. Anders als IRR (Internal Rate of Return), der zeitabhängig ist, ist der Multiple absolut. VCs brauchen Multiples, um zu überleben.
Der J-Curve Effekt
In den frühen Jahren eines Fonds ist der Multiple oft negativ (unter 1x) wegen Gebühren und frühen Ausfällen ("Zitronen reifen früh"). Das ist die "J-Curve". Wenn die Gewinner in den Jahren 7-10 auftauchen, schießt der Multiple nach oben. Diese Geduld zu verstehen, ist der Schlüssel zum Management von LP-Beziehungen.
Das Potenzgesetz (Power Law)
Venture Capital folgt einer Potenzgesetz-Verteilung. Eine Investition (der "Fund Returner") generiert normalerweise ein 50x-100x Multiple und deckt alle Verluste der anderen 20 Investitionen. VCs jagen in jedem Deal nach diesem einzigen Ausreißer-Potenzial.
TVPI vs DPI
TVPI (Total Value to Paid-In): Papiergeld. "Unser Anteil an Stripe ist 50x wert (auf dem Papier)."
DPI (Distributions to Paid-In): Echtes Geld an LPs überwiesen. "Wir haben 10x an Investoren zurücküberwiesen."
2021 hatte jeder hohe TVPI (Papier-Einhörner). 2025 kümmern sich LPs nur noch um DPI (Cash). TVPI kann man nicht essen.
Strategische Bedeutung für Gründer
Du musst das "Target Multiple" deines Investors verstehen. Ein Seed-Fonds braucht ein potenzielles 50x. Ein Series C Fonds könnte mit 3x glücklich sein. Wenn du ein Geschäft pitchst, das "realistisch 5x machen kann" an einen Seed-Fonds, werden sie passen. Es ist nicht riskant genug. Du musst das "Moonshot"-Potenzial pitchen.
Den Fonds zurückzahlen
Die Mathematik: Wenn ein VC einen 100 Mio. € Fonds hat, besitzen sie 10% deiner Firma. Damit du "Den Fonds zurückzahlst" (100 Mio. € für sie generierst), musst du bei 1 Mrd. € exitieren. Das erklärt, warum VCs von Einhörnern besessen sind.
Mechanik von Exit Multiples
Brutto vs Netto: Brutto-Multiple ist auf Unternehmensebene. Netto-Multiple ist nachdem der VC seine Gebühren (Management Fee + Carried Interest/Profit Share) nimmt.
Rekapitalisierung: In schlechten Zeiten kann ein "Recap" den Multiple zurücksetzen, frühe Investoren ausradieren, um neue zu incentivieren. Der Multiple geht auf 0x für den alten Cap Table.
Kritische Fehler, die man vermeiden sollte
- Optimieren auf IRR statt Multiple: Eine Firma in 1 Jahr für 2x zu verkaufen, gibt einen riesigen IRR (100%), aber VCs bevorzugen es, 7 Jahre für 10x zu halten. Sie brauchen absolute Dollar-Renditen, um ihre Rechnungen zu zahlen.
- Die Hürde missverstehen: Wenn deine VCs einen "Preferred Return" (selten im VC, üblich im PE) haben, bekommen sie eine garantierte Rendite (z. B. 8%), bevor du einen Cent Upside siehst.
- Stagnation: Eine "Living Dead" Firma (Zombie), die 1x nach 10 Jahren zurückgibt, ist ein Fehler für einen VC. Die Opportunitätskosten dieses Kapitals waren riesig.
FAQ: Exit Multiple
Was ist ein guter Multiple?
3x ist "Gut" (Fonds break-even). 10x ist "Großartig". 100x ist "Legendär".
Brauchen Angels höhere Multiples?
Ja. Weil sie früher mit höherem Risiko investieren, brauchen sie eine höhere potenzielle Rendite (50x+), um die Sterblichkeitsrate ihres Portfolios zu rechtfertigen.
Wie beeinflussen Secondary Sales Multiples?
Frühes Verkaufen (Secondaries) loggt einen Multiple ein (z. B. 5x), deckelt aber das Upside. VCs hassen es oft aus diesem Grund, früh zu verkaufen ("Let your winners ride").
Roemer Capital Perspektive
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