Founders Agreement
Der 'Ehevertrag' für Co-Founder. Vesting, Rollen, IP-Besitz und was passiert, wenn wir uns trennen.
Deep Dive: Was ist ein Founders Agreement?
Ein Founders Agreement (Gründervereinbarung) ist ein Vertrag zwischen Co-Foundern, der vor (oder sehr früh bei) der Firmengründung unterschrieben wird.
Er regelt die Beziehung zwischen den Gründern.
Warum du es brauchst: 50% der Startups scheitern an Gründerstreit. Dieses Dokument löst den Streit, bevor er passiert.
Schlüsselkomponenten
1. Rollen & Verantwortung: Wer ist CEO? Wer ist CTO? Was sind die Pflichten?
2. Equity Split: 50/50? 60/40?
3. Reverse Vesting: Was passiert, wenn ein Gründer nach 6 Monaten geht? (Er sollte seine Aktien verlieren).
4. IP Assignment: Bestätigung, dass aller Code/Ideen der Firma gehören, nicht dem Einzelnen.
5. Entscheidungsfindung: Wie lösen wir Deadlocks? (2 Gründer mit 50/50 ist ein vorprogrammierter Stillstand).
Die 'Reverse Vesting' Klausel (Entscheidend)
Ohne das: Wenn ihr 50/50 teilt und dein Co-Founder an Tag 2 kündigt, behält er 50% der Firma für immer.
Du wirst uninvestierbar sein.
Die Lösung: Reverse Vesting. Wenn ein Gründer binnen 4 Jahre geht, kauft die Firma seine unvested Shares für 1 € zurück.
Investoren werden das sowieso fordern, also implementiert es früh.
Der Facebook / Saverin Fall
Eduardo Saverin hatte einen riesigen Anteil an Facebook, arbeitete aber (angeblich) nicht.
Zuckerberg verwässerte ihn.
Ein sauberes Founder Agreement hätte geklärt: "Wenn du aufhörst zu arbeiten, verlierst du deine Aktien."
Es verhindert spätere Klagen.
IP Ownership
Hast du das MVP auf deinem Uni-Laptop programmiert?
Hast du den Businessplan geschrieben, während du bei McKinsey warst?
Das Founder Agreement muss explizit alles vergangene, gegenwärtige und zukünftige IP an die NewCo übertragen.
Sonst könnte dein Ex-Arbeitgeber (oder die Uni) dein Patent besitzen.
Deadlock Resolution: Die Shotgun Clause
In einem 2-Personen-Team (50/50) sind Streits tödlich.
Mechanismen zur Lösung:
1. CEO entscheidet: Der CEO hat die ausschlaggebende Stimme (Casting Vote).
2. Mediation: Ein Beirat entscheidet.
3. Russian Roulette (Shotgun): Gründer A bietet an, Gründer B für X € pro Aktie zu kaufen.
Gründer B hat zwei Wahlen:
a) Das Angebot AKZEPTIEREN und an A verkaufen.
b) Das Angebot ABLEHNEN und Gründer A für denselben Preis X € KAUFEN.
Das stellt sicher, dass der gebotene Preis fair ist (denn wenn du zu wenig bietet, wirst du billig rausgekauft).
Das ist die "Nuklearoption", garantiert aber eine Lösung.
Steuerliche Folgen von billigem Equity
Startups geben Aktien an Gründer oft zum "Nominalwert" (1 €) aus.
Wenn ihr das tut, nachdem die Firma Wert hat (z.B. nach Seed Runde), könnte das Finanzamt die billigen Aktien als "Einkommen" sehen und die Differenz besteuern.
Lösung: Gebt Gründeraktien so früh wie möglich aus (wenn Bewertung effektiv Null ist), um die Steuerbombe zu vermeiden.
Kritische Fehler, die man vermeiden sollte
- Kein Vesting: Der Fehler #1. Niemals Aktien upfront ausgeben ohne Vesting-Plan.
- 50/50 Split ohne Tie-Breaker: Garantiert Paralyse. Gebt jemandem 51% oder habt einen Mechanismus.
FAQ: Founders Agreement
Brauchen wir einen Anwalt?
Für simple Fälle reichen Templates. Aber für IP und Steuer (Vesting) ist Rat empfohlen.
Überlebt es die Series A?
Meistens ersetzt das Shareholders Agreement (SHA) in der Series A das Founders Agreement. Aber die Vesting-Pläne werden übernommen.
Können wir den Split später ändern?
Ja, aber es hat Steuerfolgen (Schenkung/Einkommen). Besser früh richtig machen.
Roemer Capital Perspektive
Wir weigern uns, in Teams zu investieren, die kein unterschriebenes Founders Agreement (oder zumindest klares Vesting) haben. Es zeigt mangelnde professionelle Reife. Wir suchen Teams, die ab Tag 1 wie eine Corporation agieren, nicht wie ein Studentenprojekt.
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