Series A
Series A ist die erste größere Finanzierungsrunde eines Startups mit professionellen Investoren, meist Venture-Capital-Fonds, nach belegter Nachfrage.
Was ist eine Series A?
Series A (erste institutionelle Finanzierungsrunde) bezeichnet die erste größere Eigenkapitalrunde eines Startups: Professionelle Investoren, die das Geld Dritter anlegen, erhalten gegen ihre Einzahlung neue Anteile. Das Unternehmen hat zu diesem Zeitpunkt belegt, dass Kunden sein Produkt kaufen, und nutzt das Kapital, um daraus ein planbar wachsendes Geschäft zu machen. Die Series A folgt auf die Seed-Phase, in der mit kleineren Beträgen ein tragfähiges Geschäftsmodell gesucht wird, und geht der Series B voraus. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Series-A-Runde, Series-A-Finanzierung und im Englischen Series A Funding.
Die Bezeichnung stammt aus dem US-Markt, wo jede Runde eine eigene Serie von Vorzugsaktien (Series A Preferred Stock) schafft. Die deutsche GmbH kennt keine Aktienserien. Umgesetzt wird die Runde über eine Kapitalerhöhung, in der die Investoren neue Geschäftsanteile übernehmen. Ihre Vorzugsrechte stehen in der Gesellschaftervereinbarung und teilweise in der Satzung, die Anteile heißen dort häufig Series-A-Geschäftsanteile. Beteiligt sind der Lead-Investor, der die Runde anführt, weitere Investoren zu denselben Bedingungen (Co-Investoren) und die Gründer. Mitwirken müssen auch die bisherigen Gesellschafter, oft Business Angels, also Privatpersonen mit eigenem Kapital, und Investoren der Seed-Phase. Grundlage ist ein Term Sheet, umgesetzt wird es im Beteiligungsvertrag und in der Gesellschaftervereinbarung.
Reifegrad und Kennzahlen für eine Series A
Investoren einer Series A erwarten kein ausgereiftes Unternehmen. Sie verlangen aber den Nachweis, dass ein Produkt einen zahlungsbereiten Markt gefunden hat (Product-Market Fit) und sich Kunden wiederholbar gewinnen lassen. Welche Kennzahlen dafür herangezogen werden, hängt vom Geschäftsmodell ab:
- Software mit wiederkehrenden Erlösen: Höhe und Wachstum des wiederkehrenden Jahresumsatzes (ARR), Kundenbindung auf Umsatzbasis (Net Revenue Retention), Abwanderung und Bruttomarge, also der Anteil des Umsatzes, der nach den direkten Kosten verbleibt.
- Marktplätze und Plattformen: vermitteltes Transaktionsvolumen, Anteil wiederkehrender Nutzer auf beiden Marktseiten und die Entwicklung der Vermittlungsquote (Take Rate).
- Technologie mit langen Entwicklungszyklen: technischer Reifegrad, zahlende Pilotkunden, Absichtserklärungen von Abnehmern und ein belastbarer Weg zur Serienreife.
Neben der Höhe der Werte zählt ihre Qualität. Geprüft wird zunächst, ob das Wachstum aus einem wiederholbaren Vertriebsweg stammt oder aus einzelnen Großkunden und persönlichen Kontakten der Gründer. Weitere Fragen sind, ob Kundenkohorten, also die Gruppen der in einem Zeitraum gewonnenen Kunden, stabil bleiben und ob die Kosten der Kundengewinnung in einem tragfähigen Verhältnis zum Kundenwert stehen. Feste Schwellenwerte gibt es nicht; die Anforderungen verschieben sich mit der Marktlage und unterscheiden sich zwischen Branchen erheblich.
Mittelverwendung und Größe einer Series A
Das Kapital einer Series A finanziert den Übergang vom gründergetriebenen Vertrieb zu einer Organisation, die Wachstum planbar erzeugt. Es fließt vor allem in Vertrieb, Marketing und Produktentwicklung, in eine erste Führungsebene unterhalb der Gründer und in eine Finanzfunktion mit monatlichem Reporting. Die Runde wird häufig so bemessen, dass sie den Finanzbedarf für rund zwei Jahre deckt und bis zu den Meilensteinen reicht, die eine Series B tragen.
Die Rundengrößen schwanken nach Branche, Kapitalintensität und Marktlage. Im deutschsprachigen Markt liegen sie häufig zwischen 3 und 15 Mio. Euro. Die Grenzen zu Seed-Runde und Series B sind fließend; maßgeblich für die Einordnung ist der Reifegrad des Unternehmens, nicht allein der Betrag. Die Bewertung ergibt sich weniger aus einer Ertragswertrechnung als aus Wachstum, Marktgröße, Vergleichstransaktionen und dem Wettbewerb unter den Investoren.
Investoren und Dokumentation
Investorentypen
Die Runde führt in der Regel eine auf frühe Wachstumsphasen spezialisierte Gesellschaft für Venture Capital an. Sie setzt die Bedingungen, steuert die Prüfung und übernimmt einen wesentlichen Teil des Betrags. Daneben beteiligen sich weitere Fonds, Beteiligungseinheiten von Industrieunternehmen (Corporate Venture Capital), Family Offices und öffentliche Beteiligungsgesellschaften. Die bestehenden Gesellschafter investieren mit, soweit sie ihre Bezugsrechte ausüben, also ihr Recht, sich anteilig an der neuen Runde zu beteiligen.
Übliche Dokumentation
Die Series A ist häufig die erste Runde mit vollständiger Vertragsdokumentation nach Marktstandard. Frühere Wandeldarlehen wandeln in dieser Runde, die Gesellschaftervereinbarung wird neu gefasst. Zum üblichen Umfang gehören:
- Kapitalerhöhung mit Übernahme neuer Geschäftsanteile, deren Nennbetrag meist 1 Euro beträgt, und Zuzahlung des übrigen Betrags in die Kapitalrücklage
- eine einfache, meist nicht partizipierende Liquidationspräferenz (Vorrang der Investoren bei der Verteilung eines Verkaufserlöses) und ein Verwässerungsschutz nach dem gewichteten Durchschnitt, der die Investoren ausgleicht, wenn eine spätere Runde zu einem niedrigeren Preis stattfindet
- Zustimmungsvorbehalte für wichtige Maßnahmen der Geschäftsführung und häufig ein Beirat mit einem Sitz für den Lead-Investor
- Vesting und Leaver-Regeln für die Gründeranteile, also ihr schrittweises Verdienen und die Folgen eines vorzeitigen Ausscheidens, bei weit fortgeschrittenem Vesting teilweise mit neuer Laufzeit
- ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm (Employee Stock Option Plan, ESOP), in Deutschland meist in virtueller Form (VSOP), dessen Pool häufig vor der Runde gebildet oder aufgestockt wird
- Regeln für den Verkauf von Anteilen (Mitverkaufsrecht, Mitverkaufspflicht, Vorkaufsrechte) und Informationsrechte
Schwerpunkte der Prüfung
Die Prüfung durch die Investoren (Due Diligence) ist in einer Series A umfangreicher als in der Seed-Phase, richtet sich aber stärker auf die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells als auf Einzelrisiken:
- Markt und Kunden: Gespräche mit Referenzkunden, Kohortenanalysen, Vertriebstrichter und Wettbewerbsumfeld.
- Finanzen: Umsatzqualität, Burn Rate (der monatliche Mittelabfluss), Planungstreue der Vergangenheit und die Annahmen des Finanzmodells.
- Recht: lückenlose Kette der beim Handelsregister aufgenommenen Gesellschafterlisten seit Gründung, Übertragung der Rechte an Software und Marken auf die Gesellschaft, Arbeits- und Beraterverträge, frühere Zusagen von Anteilen.
- Technik und Team: Architektur, Skalierbarkeit und Sicherheit des Produkts sowie die Frage, ob das Gründerteam die nächste Wachstumsstufe führen kann.
Rechenbeispiel: Kapitalbedarf einer Series A berechnen
Ein Softwareunternehmen, das an Geschäftskunden verkauft, bereitet mit 2 Mio. Euro ARR eine Series A vor. Es verfügt über liquide Mittel von 1,5 Mio. Euro, seine Ausgaben übersteigen die Einnahmen um 125.000 Euro im Monat (Nettomittelabfluss). Der Plan sieht für die nächsten 24 Monate den Aufbau von Vertrieb und Produktteam vor.
- Reichweite der liquiden Mittel (Runway) vor der Runde: 1,5 Mio. Euro / 125.000 Euro = 12 Monate
- Geplanter Mittelabfluss über 24 Monate bei durchschnittlich 275.000 Euro im Monat: 24 × 275.000 Euro = 6,6 Mio. Euro
- Reserve für Verzögerungen, rund drei Monate auf dem geplanten Endniveau von 300.000 Euro: 0,9 Mio. Euro
- Kapitalbedarf: 6,6 + 0,9 minus 1,5 Mio. Euro vorhandene Mittel = 6,0 Mio. Euro
- Quote der neuen Investoren bei einer Pre-Money-Bewertung von 18 Mio. Euro: 6 / (18 + 6) = 25 %; die Post-Money-Bewertung beträgt 24 Mio. Euro
- Meilenstein für die Series B: Soll deren Pre-Money-Bewertung das Eineinhalbfache der heutigen Post-Money-Bewertung erreichen, also 1,5 × 24 = 36 Mio. Euro, und legen Investoren dann das Sechsfache des ARR zugrunde, muss der ARR in 24 Monaten von 2 auf 36 / 6 = 6 Mio. Euro steigen.
Die Rechnung folgt der Logik, nach der Investoren die Rundengröße beurteilen: Der Betrag muss bis zu einem Punkt reichen, an dem die Kennzahlen eine höhere Bewertung tragen. Eine zu knapp bemessene Runde erzwingt eine Anschlussfinanzierung vor Erreichen dieses Punkts, eine zu groß bemessene verwässert die bisherigen Gesellschafter ohne entsprechenden Gegenwert.
Abgrenzung: Seed-Runde, Series A, Series B und Series C
- Seed-Runde: finanziert die Suche nach einem tragfähigen Geschäftsmodell, häufig durch Business Angels oder über Wandeldarlehen, mit kleineren Beträgen und schlankerer Dokumentation.
- Series B: finanziert die Skalierung eines bereits bewährten Modells. Im Vordergrund stehen Effizienz des Wachstums und Belastbarkeit der Organisation, nicht mehr der Nachweis der Marktakzeptanz.
- Series C: eine späte Wachstumsrunde für Unternehmen mit gefestigter Marktposition, oft zur Vorbereitung von Zukäufen, Verkauf oder Börsengang.
- Zwischenfinanzierung: ein Wandeldarlehen oder eine kleine Kapitalerhöhung, mit der ein Unternehmen die Zeit bis zur Series A überbrückt, meist ohne neue Bewertung.
Typische Fehler
- Skalierung vor dem Nachweis. Wird Kapital in den Vertriebsaufbau gelenkt, bevor ein wiederholbarer Vertriebsweg belegt ist, steigt der Mittelabfluss ohne entsprechendes Wachstum.
- Zu später Prozessbeginn. Beginnt die Ansprache von Investoren mit weniger als zwölf Monaten Runway, fehlt der Spielraum für Verhandlung und Alternativen, weil der Prozess bis zum Geldeingang mehrere Monate dauert.
- Altgesellschafter spät eingebunden. Bezugsrechte, Zustimmungsvorbehalte und Wandlungsrechte früherer Geldgeber wirken auf die Runde; wer diese Beteiligten erst vor der Beurkundung informiert, riskiert Verzögerungen bei den Beschlüssen.
- Bewertung ohne Anschlussperspektive. Eine Bewertung, die bis zur nächsten Runde nicht durch Kennzahlen übertroffen werden kann, erschwert die Series B und kann den Verwässerungsschutz der Investoren auslösen.
- Ungeordnete Gesellschafterverhältnisse. Nicht dokumentierte Anteilszusagen, fehlende Rechteübertragungen oder Abweichungen zwischen Beteiligungsübersicht (Cap Table) und Gesellschafterliste verlängern die Prüfung.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Series A?
Häufig sechs bis acht Monate von der Vorbereitung bis zum Geldeingang. Einige Wochen entfallen auf Finanzmodell, Investorenpräsentation (Pitch Deck) und Datenraum, die geordnete Sammlung der Unterlagen für die Prüfung, der größere Teil auf Investorengespräche, Term Sheet, Prüfung, Beurkundung und Eintragung.
Wie viel Kapital wird in einer Series A eingeworben?
Im deutschsprachigen Markt häufig 3 bis 15 Mio. Euro, bei kapitalintensiven Geschäftsmodellen auch mehr. Bemessen wird der Betrag am Finanzbedarf bis zu den Meilensteinen der Series B.
Welchen Anteil geben die bisherigen Gesellschafter in einer Series A ab?
In der Praxis häufig 15 bis 25 % auf voll verwässerter Basis, abhängig von Rundengröße und Bewertung. Zusätzlich verwässert ein Mitarbeiterpool, der vor der Runde gebildet oder aufgestockt wird.
Muss nach einer Series A ein Beirat gebildet werden?
Rechtlich nicht. Einen Aufsichtsrat verlangt das Drittelbeteiligungsgesetz bei der GmbH erst ab mehr als 500 Arbeitnehmern. Ein fakultativer Beirat wird in Series-A-Runden dennoch häufig vereinbart, weil er den Investoren eine geordnete Mitsprache gibt, ohne die Zuständigkeiten der Gesellschafterversammlung aufzuheben.
Was geschieht mit bestehenden Wandeldarlehen?
Sie wandeln in der Regel in der Series A in Geschäftsanteile, meist mit einem Abschlag auf den Preis je Anteil oder zu einer Bewertungsobergrenze. Die Wandlungsanteile werden häufig in die Bemessungsgrundlage vor der Runde einbezogen und verwässern dann allein die bisherigen Gesellschafter.
Ist eine Series A ohne Venture-Capital-Investor möglich?
Ja. Auch Family Offices, strategische Investoren oder Zusammenschlüsse von Business Angels können eine Runde dieser Größe anführen. Die Bezeichnung beschreibt die Finanzierungsstufe, nicht den Investorentyp.
Roemer Capital Perspektive
Series-A-Mandate beginnen bei uns mit einer Bestandsaufnahme der vier Säulen Runway, KPIs, Unit Economics und Governance. In der Series A zeigt sich zum ersten Mal vor institutionellen Investoren, ob ein Unternehmen investorenfähig ist, also strukturell in der Lage, mit externem Kapital überproportional zu wachsen.
Konkret prüfen wir, ob die Runway bei Prozessbeginn 12 bis 18 Monate beträgt und ob das Finanzmodell drei Jahre mit Basis-, vorsichtigem und optimistischem Fall abbildet. Der Datenraum muss innerhalb von 24 Stunden bereitstehen. Die Rundengröße leiten wir aus den Meilensteinen der Series B ab, nicht aus der gewünschten Bewertung. Für die gesamte Runde planen wir sechs bis acht Monate ein.
Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026.
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