Unternehmensbewertung
Die Unternehmensbewertung ermittelt, was ein Unternehmen wert ist. Es gibt kein richtiges Ergebnis, sondern eine Spanne aus mehreren Verfahren.
Was ist eine Unternehmensbewertung?
Die Unternehmensbewertung ermittelt, was ein Unternehmen wert ist — für einen Verkauf, eine Beteiligung, eine Erbauseinandersetzung oder eine Abfindung.
Der wichtigste Satz vorweg: Es gibt keinen einen richtigen Wert. Jedes Verfahren beantwortet eine etwas andere Frage, und der Preis entsteht am Ende in der Verhandlung, nicht in der Rechnung.
Die drei Verfahrensfamilien
- Ertragswertverfahren und DCF: Was ist die Summe der künftigen Überschüsse, abgezinst auf heute? Das theoretisch sauberste Verfahren und das anfälligste gegenüber Annahmen.
- Multiplikatorverfahren: Was zahlt der Markt für vergleichbare Unternehmen? Ein Vielfaches von Umsatz, EBITDA oder ARR. Schnell, marktnah, aber nur so gut wie die Vergleichsgruppe.
- Substanzwert: Was kostet es, das Unternehmen nachzubauen? In der Praxis meist nur die Untergrenze.
Rechenbeispiel
Ein Dienstleister macht 4,0 Mio. Euro Umsatz und 620.000 Euro bereinigtes EBITDA.
- Multiplikator: Vergleichbare Transaktionen liegen bei 6 bis 8 mal EBITDA. Das ergibt 3,7 bis 5,0 Mio. Euro Unternehmenswert.
- Abzug der Nettoverschuldung: 700.000 Euro Bankschulden minus 150.000 Euro Kasse = 550.000 Euro. Bleiben 3,15 bis 4,45 Mio. Euro für die Gesellschafter.
Die Spanne beträgt 1,3 Mio. Euro — bei identischen Zahlen. Worum verhandelt wird, ist nicht der Wert, sondern die Position innerhalb dieser Spanne.
Was die Position in der Spanne bestimmt
- Abhängigkeit vom Inhaber. Wenn die wichtigsten Kunden an einer Person hängen, wird abgeschlagen.
- Kundenkonzentration. Ein Kunde mit 40 Prozent Umsatzanteil kostet Bewertung.
- Wiederkehrender Umsatzanteil. Verträge sind mehr wert als Projekte.
- Qualität der Zahlen. Wer nicht sauber herleiten kann, wird vorsichtiger bewertet.
- Wie viele Interessenten am Tisch sitzen. Der stärkste Einzelfaktor überhaupt.
Typische Fehler
- Ein Verfahren als Wahrheit nehmen. Mindestens zwei rechnen und die Abweichung erklären.
- Nicht bereinigen. Geschäftsführergehalt, private Posten und Einmaleffekte gehören heraus, sonst ist das EBITDA nicht vergleichbar.
- Unternehmenswert und Kaufpreis verwechseln. Zwischen beiden liegen Nettoverschuldung und Working-Capital-Anpassung.
- Den Multiplikator aus Schlagzeilen nehmen. Veröffentlichte Werte betreffen meist größere und andersartige Unternehmen.
- Buchwerte als Marktwerte lesen. Die Bilanz zeigt Anschaffungskosten, nicht den Wert.
Häufige Fragen
Welches Verfahren passt für mein Unternehmen?
Bei stabilen Erträgen der Multiplikator auf EBITDA. Bei wiederkehrenden Erlösen ein Vielfaches des ARR. Bei starkem, noch defizitärem Wachstum eher DCF oder eine Bewertung nach Vergleichsrunden. Bei sehr kleinen Unternehmen oft der Substanzwert plus ein Ertragsaufschlag.
Was kostet eine Bewertung?
Eine indikative Einschätzung liegt im niedrigen vierstelligen Bereich. Ein Gutachten nach dem Standard des IDW, das vor Gericht Bestand haben soll, deutlich darüber.
Warum weichen zwei Bewertungen so stark ab?
Weil kleine Änderungen an Zinssatz und Wachstumsannahme im DCF große Wertunterschiede erzeugen. Deshalb gehört zu jeder Bewertung die Angabe, welche Annahmen sie trägt.
Roemer Capital Perspektive
Wir rechnen immer mindestens zwei Verfahren und legen die Spanne offen, statt eine einzelne Zahl zu nennen. Der Grund ist verhandlungstaktisch: Eine einzelne Zahl lädt dazu ein, sie zu drücken. Eine begründete Spanne verschiebt das Gespräch dorthin, wo es hingehört — auf die Frage, welche Eigenschaften des Unternehmens die obere Hälfte rechtfertigen.
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