Rückstellungen
Rückstellungen sind Vorsorge für Verpflichtungen, die wahrscheinlich sind, aber in Höhe oder Zeitpunkt noch offen. Sie sind Pflicht, kein Wahlrecht.
Was sind Rückstellungen?
Rückstellungen sind Beträge, die für Verpflichtungen zurückgestellt werden, die dem Grunde nach wahrscheinlich sind, deren Höhe oder Fälligkeit aber noch nicht feststeht.
Der Unterschied zu Verbindlichkeiten: Dort stehen Grund, Höhe und Fälligkeit fest. Bei Rückstellungen ist mindestens eines davon offen.
Sie sind nach HGB grundsätzlich Pflicht, kein Wahlrecht. Wer eine wahrscheinliche Verpflichtung nicht zurückstellt, weist einen zu hohen Gewinn aus.
Die wichtigsten Arten
- Pensionsrückstellungen für Zusagen an Mitarbeitende oder Geschäftsführer. Die größte und komplexeste Position, versicherungsmathematisch zu bewerten.
- Gewährleistungsrückstellungen für künftige Nachbesserungen aus bereits erbrachten Leistungen.
- Prozessrückstellungen für laufende Rechtsstreitigkeiten, einschließlich der Kosten.
- Steuerrückstellungen für noch nicht veranlagte Steuern, auch aus laufenden Betriebsprüfungen.
- Urlaubs- und Bonusrückstellungen für nicht genommenen Urlaub und zugesagte variable Vergütung.
- Archivierungs- und Abschlusskosten für die Aufbewahrung von Unterlagen und die Erstellung des Jahresabschlusses.
Die vier letzten Punkte werden am häufigsten vergessen
Sie sind klein im Einzelfall und summieren sich. Ein Unternehmen mit 40 Mitarbeitenden und durchschnittlich acht offenen Urlaubstagen zum Jahresende trägt eine Urlaubsrückstellung im mittleren fünfstelligen Bereich — die in vielen unterjährigen Auswertungen schlicht fehlt.
Genau deshalb weicht das Jahresergebnis regelmäßig von der Summe der monatlichen Auswertungen ab, und genau deshalb gehören die bekannten Positionen monatlich abgegrenzt.
Wie bewertet wird
Nach HGB mit dem Betrag, der nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendig ist. Rückstellungen mit einer Restlaufzeit über einem Jahr sind abzuzinsen, mit dem von der Bundesbank veröffentlichten Satz.
Bei Pensionsrückstellungen weichen Handels- und Steuerbilanz regelmäßig voneinander ab, weil unterschiedliche Zinssätze anzuwenden sind. Die Differenz kann erheblich sein und gehört in der Überleitung dargestellt.
Was Investoren daran interessiert
Zwei Dinge:
- Sind sie vollständig? Eine zu niedrige Rückstellung erhöht den ausgewiesenen Gewinn — und wird in der Prüfung korrigiert, was die Bewertung mindert.
- Sind sie echt? Umgekehrt werden überhöhte Rückstellungen bei der Bereinigung wieder hinzugerechnet. Beides fällt auf.
Besonderes Augenmerk liegt auf Pensionszusagen an Gesellschafter-Geschäftsführer. Sie sind eine langfristige Verpflichtung, sie mindern den Unternehmenswert, und sie sind bei einem Verkauf oft ein eigener Verhandlungspunkt — weil ein Käufer sie nicht übernehmen will.
Typische Fehler
- Urlaub und Boni unterjährig nicht abgrenzen. Macht jeden Monat besser, als er ist.
- Prozessrisiken nicht zurückstellen. Ein laufendes Verfahren gehört bewertet, auch wenn der Ausgang offen ist.
- Abzinsung vergessen. Bei langfristigen Rückstellungen vorgeschrieben.
- Pensionszusagen nicht prüfen lassen. Sie sind bei einem Verkauf regelmäßig ein Stolperstein und brauchen eine Lösung, bevor verhandelt wird.
- Auflösung vergessen. Entfällt der Grund, ist die Rückstellung aufzulösen — das erhöht dann den Gewinn.
Häufige Fragen
Mindern Rückstellungen die Steuer?
Soweit sie steuerlich anerkannt sind, ja. Nicht alle handelsrechtlich gebotenen Rückstellungen sind steuerlich ansetzbar — Drohverlustrückstellungen etwa nicht.
Wie unterscheiden sie sich von Rücklagen?
Rückstellungen sind Fremdkapital für Verpflichtungen gegenüber Dritten. Rücklagen sind Eigenkapital, also einbehaltener Gewinn.
Was passiert mit einer Pensionszusage beim Verkauf?
Sie muss gelöst werden — übliche Wege sind Abfindung, Übertragung auf einen externen Versorgungsträger oder ein Verbleib beim Verkäufer. Jeder Weg hat steuerliche Folgen und braucht Vorlauf.
Roemer Capital Perspektive
Wir prüfen vor jeder Transaktion die Rückstellungen auf Vollständigkeit, bevor der Käufer es tut. Der Grund ist unangenehm einfach: Jede fehlende Rückstellung, die in der Prüfung gefunden wird, mindert den bereinigten Gewinn und wird mit dem Multiplikator vervielfacht. Eine vergessene Position von 60.000 Euro kostet bei einem Faktor von 7 also 420.000 Euro Kaufpreis.
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