Leasing
Beim Leasing wird genutzt statt gekauft. Es schont Liquidität und Bilanz — ist aber über die Laufzeit meist teurer als ein Kredit.
Was ist Leasing?
Beim Leasing überlässt ein Leasinggeber ein Wirtschaftsgut gegen laufende Raten zur Nutzung. Das Eigentum bleibt beim Leasinggeber, die Nutzung liegt beim Unternehmen.
Der Grundgedanke: Ein Unternehmen verdient nicht daran, eine Maschine zu besitzen, sondern daran, sie zu nutzen.
Die zwei Grundformen
- Operating Leasing: kürzere Laufzeit als die Nutzungsdauer, der Leasinggeber trägt das Verwertungsrisiko. Ähnelt wirtschaftlich einer Miete.
- Finance Leasing: Die Laufzeit deckt den wesentlichen Teil der Nutzungsdauer ab, das Unternehmen trägt die Risiken. Wirtschaftlich näher an einem Kauf auf Kredit.
Innerhalb des Finance Leasing gibt es Verträge mit Vollamortisation — die Raten decken die gesamten Kosten — und mit Teilamortisation, bei denen am Ende ein Restwert steht.
Die Bilanzfrage
Wem das Leasinggut zuzurechnen ist, richtet sich nach der Ausgestaltung des Vertrags. Bei den üblichen Gestaltungen bleibt es beim Leasinggeber — dann erscheint es nicht in der Bilanz des Nutzers, und die Raten sind laufender Aufwand.
Das verbessert rechnerisch die Eigenkapitalquote, weil die Bilanzsumme kleiner bleibt. Banken und Investoren rechnen Leasingverpflichtungen allerdings häufig hinzu, wenn sie die Verschuldung beurteilen. Der Effekt ist also kleiner, als er auf dem Papier aussieht.
Die genaue Zurechnung nach den Leasingerlassen gehört vor Vertragsschluss mit der Steuerkanzlei geklärt — sie entscheidet auch über die steuerliche Behandlung.
Rechenbeispiel
Eine Maschine kostet 240.000 Euro. Nutzungsdauer acht Jahre.
- Kauf mit Darlehen über 6 Jahre zu 5 Prozent: rund 38.600 Euro im Jahr an Zins und Tilgung. Gesamtaufwand über die Laufzeit rund 232.000 Euro plus die Anzahlung. Am Ende gehört die Maschine dem Unternehmen.
- Leasing über 6 Jahre: rund 3.700 Euro im Monat, also 44.400 Euro im Jahr, zusammen rund 266.000 Euro. Am Ende gehört sie dem Leasinggeber, oder es fällt ein Restwert an.
Leasing ist hier über die Laufzeit rund 34.000 Euro teurer. Dafür wurde kein Eigenkapital gebunden, keine Sicherheit gegeben und die Kreditlinie nicht belastet.
Die Frage ist also nicht, was günstiger ist, sondern was knapper ist: Geld oder Finanzierungsspielraum.
Wann Leasing die bessere Wahl ist
- Bei Wirtschaftsgütern mit schnellem technischem Fortschritt — IT, Fahrzeuge
- Wenn die Kreditlinie für das laufende Geschäft gebraucht wird
- Bei jungen Unternehmen ohne ausreichende Sicherheiten
- Wenn das Gut ohnehin nach wenigen Jahren ersetzt wird
Typische Fehler
- Nur die Rate vergleichen. Entscheidend sind Gesamtkosten, Restwert und was am Ende passiert.
- Den Restwert übersehen. Bei Teilamortisation steht am Ende eine Zahlung oder eine Verlängerung an.
- Andienungsrecht nicht prüfen. Manche Verträge verpflichten das Unternehmen, das Gut am Ende zum Restwert zu kaufen — auch wenn es nichts mehr wert ist.
- Kilometer- oder Nutzungsgrenzen ignorieren. Überschreitungen werden teuer abgerechnet.
- Leasing als bilanzneutral verkaufen. Kapitalgeber rechnen es hinzu.
Häufige Fragen
Verbessert Leasing meine Bonität?
Rechnerisch die Eigenkapitalquote, ja. Banken korrigieren das aber in ihrer Analyse. Der ehrliche Vorteil ist die geschonte Kreditlinie, nicht die optische Quote.
Was passiert am Ende?
Je nach Vertrag: Rückgabe, Kauf zum Restwert oder Verlängerung. Das gehört vor Unterschrift geklärt, nicht im letzten Vertragsmonat.
Sale and Lease Back — was ist das?
Ein bereits vorhandenes Wirtschaftsgut wird verkauft und zurückgeleast. Das setzt gebundenes Kapital frei. Siehe Sale and Lease Back.
Roemer Capital Perspektive
Wir nehmen Leasingverpflichtungen im Finanzmodell in dieselbe Zeile wie Darlehen — als feste Auszahlung mit Laufzeit. Der Grund: In der Kapitaldienstfähigkeit und in der Prüfung vor einer Beteiligung wird genau so gerechnet. Ein Unternehmen, das sich über Leasing entschuldet aussieht, wird in der ersten ernsthaften Analyse korrigiert.
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