Runway
Runway ist die Zahl der Monate, für die die liquiden Mittel eines Unternehmens beim aktuellen monatlichen Mittelabfluss ohne neues Kapital reichen.
Was ist die Runway?
Runway (Reichweite der liquiden Mittel) ist die Zahl der Monate, für die die frei verfügbaren liquiden Mittel eines Unternehmens beim aktuellen oder geplanten Mittelabfluss ohne neues Kapital reichen. Gleichbedeutend sind Cash Runway und Liquiditätsreichweite. Liquide Mittel sind Kassenbestand und Bankguthaben, der Mittelabfluss ist der Betrag, um den sie Monat für Monat sinken. Die Rechnung gleicht der Restreichweite im Auto: Tankinhalt geteilt durch Verbrauch. Die Kennzahl betrifft vor allem Wachstumsunternehmen, die noch mehr ausgeben, als sie einnehmen.
Eine gesetzliche Definition gibt es nicht. Die Runway wird aus der Liquiditätsplanung abgeleitet und steht in Investorenberichten, im Finanzmodell und im Datenraum einer Finanzierungsrunde, also in der Sammlung der Unterlagen, die Investoren vor ihrer Entscheidung prüfen. Kreditgeber ziehen sie bei Wachstumsdarlehen heran, im Insolvenzrecht stützt sie die Fortführungsprognose.
Runway berechnen
Formel: Runway in Monaten = frei verfügbare liquide Mittel / durchschnittlicher monatlicher Netto-Mittelabfluss
Gemeint ist der Netto-Mittelabfluss (Net Burn) ohne neue Finanzierung. Er umfasst sämtliche Auszahlungen einschließlich Zinsen und Tilgungen, abzüglich der Einzahlungen aus dem Geschäft. Zuflüsse aus Kapitalerhöhungen und neuen Darlehen zählen nie dazu, sie erhöhen den Bestand, aus dem die Runway berechnet wird. Belastbar wird das Ergebnis durch drei Festlegungen: welche Mittel zählen, wie der Abfluss gemessen wird und ob der heutige oder der geplante Abfluss zugrunde liegt.
Welche Mittel zählen
In die Rechnung gehören nur Mittel, über die das Unternehmen sofort und ohne Einschränkung verfügen kann: Kassenbestand, Bankguthaben und kurzfristig verfügbare Festgelder. Nicht dazu zählen verpfändete Guthaben wie Mietkautionen, noch nicht ausgezahlte Fördermittel und Zusagen von Investoren vor der Einzahlung. Eine ungenutzte Kreditlinie wird getrennt ausgewiesen, weil Banken Linien in einer Krise kündigen oder kürzen können.
Wie der Abfluss gemessen wird
Gezählt werden Zahlungen, nicht Aufwendungen. Abschreibungen mindern das Ergebnis, aber nicht die liquiden Mittel. Tilgungen, Investitionen und Steuervorauszahlungen verringern dagegen die liquiden Mittel, obwohl sie in der Gewinn- und Verlustrechnung nicht oder zu einem anderen Zeitpunkt erscheinen. Der Abfluss eines einzelnen Monats schwankt mit den Zahlungsterminen, deshalb ist ein Durchschnitt über drei Monate verbreitet. Einmalige Posten wie eine Steuernachzahlung, eine Abfindung oder eine im Voraus bezahlte Jahreslizenz werden gesondert ausgewiesen, damit der laufende Verbrauch erkennbar bleibt.
Daneben wird häufig der Brutto-Mittelabfluss (Gross Burn) betrachtet, die Summe aller Auszahlungen. Er zeigt die Kostenbasis und damit, wie stark sich die Runway verkürzt, wenn Umsatz wegbricht. Der Begriff Burn Rate wird für beide Größen verwendet.
Statische und dynamische Runway
Die statische Runway teilt den heutigen Bestand durch den heutigen Abfluss. Sie unterstellt, dass Kosten und Einnahmen unverändert bleiben. Die dynamische Runway ergibt sich aus der monatlichen Fortschreibung der Planung: Geplante Einstellungen, Preisänderungen, Umsatzwachstum, saisonale Schwankungen und fällige Tilgungen gehen Monat für Monat ein. Das Ende der Runway ist dann der Monat, in dem der Bestand unter eine festgelegte Mindestliquidität fällt. Diese Untergrenze deckt in der Regel mindestens einen vollständigen Gehaltslauf mit den zugehörigen Abgaben und die nächsten Steuertermine ab.
Szenarien und Steuerung
Eine einzelne Zahl beschreibt nur den erwarteten Verlauf. Daneben rechnen Unternehmen meist einen vorsichtigen Fall, in dem Umsatz ausbleibt, große Kunden später zahlen und sich die nächste Runde verzögert. Ein optimistischer Fall zeigt, ob sich Einstellungen vorziehen lassen.
Wirksam wird die Szenariorechnung, wenn die Geschäftsführung vorab festlegt, welche Maßnahmen bei welcher Reichweite greifen, etwa ein Einstellungsstopp unter zwölf Monaten und ein Kostensenkungsprogramm unter neun Monaten. Zu den Hebeln gehören verschobene Einstellungen, weniger externe Dienstleistungen, Jahresvorauszahlungen von Kunden, kürzere Zahlungsziele und gestreckte Investitionen. Ob ein Unternehmen aus eigener Kraft die Gewinnschwelle erreicht, bevor die Mittel verbraucht sind, beschreibt der Begriff Default Alive.
Runway und Finanzierungsrunde
Zeitbedarf eines Prozesses
Eine Finanzierungsrunde dauert von der Vorbereitung bis zum Zufluss der Mittel in der Praxis häufig sechs bis acht Monate. Sie umfasst Vorbereitung der Unterlagen, Ansprache der Investoren, Verhandlung der Eckdaten (Term Sheet), Prüfung durch die Investoren (Due Diligence), notarielle Beurkundung und Einzahlung. Eine Reichweite von 12 bis 18 Monaten zu Beginn des Prozesses gilt deshalb in der Praxis als angemessen: Nach sechs bis acht Monaten Prozessdauer bleiben noch mindestens vier Monate Reserve.
Verhandlungsposition bei kurzer Runway
Die Runway bestimmt, wie viel Zeit ein Unternehmen für Alternativen hat, und Investoren erkennen sie im Finanzmodell und in den Kontoauszügen des Datenraums. Ist sie kurz, sinkt ihre Bereitschaft, bei Bewertung und Konditionen entgegenzukommen, weil ein Abbruch der Verhandlung für das Unternehmen schwerer wiegt als für den Investor. Typische Folgen sind eine niedrigere Bewertung und eine höhere oder mehrfache Liquidationspräferenz, also ein Vorrang der Investoren bei der Verteilung eines späteren Verkaufserlöses. Dazu kommen weitere Zustimmungsvorbehalte, und für einen Wettbewerb mehrerer Angebote fehlt die Zeit.
Reicht die Runway für einen regulären Prozess nicht aus, bleiben vor allem zwei Wege: den Mittelabfluss vor Prozessbeginn senken oder die Zeit mit Mitteln der bestehenden Gesellschafter verlängern. Eine solche Überbrückungsfinanzierung wird häufig als Wandeldarlehen gewährt, das in der nächsten Runde in Anteile umgewandelt wird. Beides wird idealerweise vor der ersten Investorenansprache entschieden. Eine Überbrückung, die erst während laufender Gespräche verhandelt wird, zeigt neuen Investoren, wie eng die Lage ist.
Wie lange die neue Runde reichen soll
Der Kapitalbedarf einer Runde ergibt sich aus der Runway, die sie schaffen soll; verbreitet ist eine Bemessung auf 18 bis 24 Monate. Überzeugender als eine Monatszahl ist ein Meilenstein, der die nächste Runde trägt, etwa ein bestimmter wiederkehrender Umsatz. Der Betrag umfasst dann den Mittelabfluss bis zu diesem Meilenstein, die Dauer des nächsten Prozesses und eine Reserve.
Bedeutung im Insolvenzrecht
Eine kurze Runway ist für sich genommen kein Insolvenzgrund. Sie wirkt aber auf zwei Prüfungen der Insolvenzordnung (InsO), die an eine Vorhersage der Zahlungsfähigkeit anknüpfen. Überschuldung (§ 19 InsO) liegt vor, wenn das Vermögen die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt, es sei denn, die Fortführung des Unternehmens ist in den nächsten zwölf Monaten überwiegend wahrscheinlich. Drohende Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO) wird in aller Regel über 24 Monate beurteilt. Sie berechtigt die Gesellschaft zu einem eigenen Insolvenzantrag, verpflichtet sie aber nicht dazu.
Reicht die Runway nicht über zwölf Monate, hängt die Fortführungsprognose davon ab, ob eine Anschlussfinanzierung überwiegend wahrscheinlich ist. Die Annahmen dazu müssen belegbar sein, etwa durch verbindliche Zusagen der Gesellschafter oder hinreichend konkrete Verhandlungen mit Investoren. Fällt die Fortführungsprognose negativ aus, wird das Vermögen mit Verwertungswerten angesetzt, die bei Wachstumsunternehmen die Verbindlichkeiten häufig nicht decken. Die laufende Beobachtung dieser Lage gehört zur Krisenfrüherkennung, zu der § 1 StaRUG die Geschäftsführung verpflichtet.
Ist die Gesellschaft danach überschuldet, muss die Geschäftsführung ohne schuldhaftes Zögern, spätestens sechs Wochen nach Eintritt der Überschuldung, den Insolvenzantrag stellen (§ 15a InsO). Reicht die Liquidität schon für die fälligen Zahlungen nicht mehr (Zahlungsunfähigkeit, § 17 InsO), beträgt die Höchstfrist drei Wochen. Darlehen von Gesellschaftern mit qualifiziertem Rangrücktritt, also der Vereinbarung, hinter die übrigen Gläubiger zurückzutreten, bleiben in der Überschuldungsrechnung außer Betracht (§ 19 Abs. 2 Satz 2 InsO).
Rechenbeispiel: Runway statisch und dynamisch berechnen
Ein Softwareunternehmen hat 3,0 Mio. Euro auf seinen Bankkonten, davon sind 150.000 Euro als Mietkaution verpfändet. In den letzten drei Monaten betrug der Netto-Mittelabfluss 230.000, 250.000 und 270.000 Euro. Ab dem vierten Monat sind vier Einstellungen geplant, die den Abfluss um 60.000 Euro je Monat erhöhen. Die Geschäftsführung hält eine Mindestliquidität von 300.000 Euro vor.
- Frei verfügbare Mittel: 3.000.000 Euro minus 150.000 Euro = 2.850.000 Euro
- Durchschnittlicher Netto-Mittelabfluss: (230.000 + 250.000 + 270.000) / 3 = 250.000 Euro je Monat
- Statische Runway bis zu einem Kontostand von null: 2.850.000 / 250.000 = 11,4 Monate
- Nutzbar oberhalb der Mindestliquidität: 2.850.000 minus 300.000 = 2.550.000 Euro, beim bisherigen Abfluss 2.550.000 / 250.000 = 10,2 Monate
- Dynamisch, Monate 1 bis 3 beim bisherigen Abfluss: 3 × 250.000 = 750.000 Euro, verbleibend 1.800.000 Euro
- Ab Monat 4 beim erhöhten Abfluss von 310.000 Euro: 1.800.000 / 310.000 = rund 5,8 Monate
- Dynamische Runway: 3 + 5,8 = rund 8,8 Monate
Aus 11,4 Monaten in der einfachen Rechnung werden 8,8 Monate, sobald Mindestliquidität und geplante Einstellungen berücksichtigt sind. Bei sechs bis acht Monaten Prozessdauer müsste die Runde sofort beginnen, und schon ein Monat Verzögerung verlagert die Schlussverhandlung an das Ende der Reichweite. Verschiebt die Geschäftsführung die Einstellungen auf die Zeit nach der Runde, bleibt es bei 10,2 Monaten. Stellen die bestehenden Gesellschafter zusätzlich ein Wandeldarlehen über 750.000 Euro bereit, ergeben sich (2.550.000 + 750.000) / 250.000 = 13,2 Monate. Damit liegt die Runway zu Prozessbeginn im Bereich von 12 bis 18 Monaten.
Abgrenzung: Runway, Burn Rate, Liquiditätsplanung und Break-Even
- Burn Rate: der monatliche Mittelabfluss, brutto oder netto. Die Runway ist die daraus abgeleitete Zeitgröße.
- Liquiditätsplanung: das Planungsinstrument, aus dem die dynamische Runway abgelesen wird.
- Cashflow Projection: die mehrjährige Prognose im Finanzmodell. Aus ihr ergibt sich, wie viel Kapital eine Runde für die angestrebte Runway einwerben muss.
- Break-Even: der Punkt, an dem die Erlöse die Kosten decken. Die Runway verliert erst an Bedeutung, wenn auch die Zahlungsströme dauerhaft ausgeglichen sind, das Unternehmen also Cash Flow Positive ist.
Typische Fehler
- Abfluss aus der Ergebnisrechnung abgeleitet. Der Verlust laut Gewinn- und Verlustrechnung ist kein Maß für den Mittelabfluss, maßgeblich sind die Bewegungen auf den Bankkonten.
- Zugesagte Mittel vorab eingerechnet. Eine mündliche Zusage, ein unterschriebenes Term Sheet oder ein Förderbescheid ohne Auszahlung verlängern die Reichweite erst mit dem Zahlungseingang.
- Nur die statische Rechnung. Sind Einstellungen, ein Umzug oder höhere Vertriebsausgaben bereits beschlossen, überschätzt die statische Runway die tatsächliche Reichweite.
- Mindestliquidität nicht abgezogen. Eine Rechnung bis zum Kontostand null überschätzt die nutzbare Reichweite, weil Gehälter, Abgaben und Steuertermine einen Sockelbetrag verlangen, der nicht unterschritten werden soll.
Häufige Fragen
Wie viel Runway sollte ein Unternehmen zu Beginn einer Finanzierungsrunde haben?
In der Praxis 12 bis 18 Monate. Die Runde selbst beansprucht häufig sechs bis acht Monate, der verbleibende Zeitraum fängt Verzögerungen auf und erlaubt es, ein unpassendes Angebot abzulehnen.
Zählt eine ungenutzte Kreditlinie zur Runway?
Nur mit Vorbehalt. Üblich ist, die Runway ohne die Linie zu berechnen und die Linie als zusätzliche Reserve daneben auszuweisen. Entscheidend ist, ob die Linie fest zugesagt ist, wann sie gekündigt werden kann und an welche Finanzkennzahlen (Covenants) sie geknüpft ist.
Wie berechnet man die Runway?
Die frei verfügbaren liquiden Mittel werden durch den durchschnittlichen monatlichen Netto-Mittelabfluss der letzten drei Monate geteilt. Mit 1,8 Mio. Euro auf dem Konto und 150.000 Euro Net Burn ergibt sich eine Runway von zwölf Monaten. Geplante Einstellungen und eine Mindestliquidität verkürzen sie, deshalb ergänzt die Monatsplanung die einfache Rechnung.
Beeinflusst die Runway die Bewertung in einer Finanzierungsrunde?
Mittelbar. Die Bewertung folgt aus Geschäftsmodell, Wachstum und Kennzahlen, eine kurze Runway schwächt aber die Verhandlungsposition, weil weniger Zeit bleibt, Angebote zu vergleichen.
Roemer Capital Perspektive
Bevor wir mit einem Unternehmen eine Finanzierungsrunde vorbereiten, rechnen wir die Runway aus den Kontobewegungen der letzten Monate nach und stellen ihr die dynamische Rechnung aus der Planung gegenüber. Unser Richtwert sind 12 bis 18 Monate Reichweite bei Beginn des Prozesses, weil eine Runde erfahrungsgemäß 6 bis 8 Monate dauert.
Liegt die Reichweite darunter, klären wir mit der Geschäftsführung vor der ersten Investorenansprache, wie sie sich verlängern lässt. Infrage kommen verschobene Einstellungen, eine Überbrückung durch die bestehenden Gesellschafter oder ein früherer, kleinerer Meilenstein. Die Verträge einer solchen Überbrückung gestaltet die Kanzlei des Unternehmens; wir rechnen die Varianten durch und bringen sie in die Investorengespräche ein.
Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.
Dienstleistungen, die wir anbieten
Als Gründer oder Geschäftsführer stehst du vor der Herausforderung, Investoren von deiner Vision zu überzeugen. Genau hier kommen wir ins Spiel. Roemer Capital macht dein Unternehmen fit für das Fundraising: mit einer klaren Strategie, aussagekräftigen Finanzmodellen und einer professionellen Investorenstory sowie dem Zugang zu den richtigen Investoren.

Professionellen Businessplan erstellen
Wir erstellen umfassende Geschäftspläne für Investoren, die Vision, Strategie und finanzielle Zukunft klar zum Ausdruck bringen.

Fractional CFO für dein Wachstumsunternehmen
Wir machen dein Startup investierbar und steuerbar: mit Growth Consulting, strategischer Weitsicht und technischer CFO-Exzellenz.

Fundraising für Finanzierungsrunden
Vom Businessplan über das Pitchdeck bis zur Investorenansprache sichern wir deine Finanzierung in jeder Phase deines Wachstums.

M&A-Beratung bei Verkauf und Nachfolge
Wir bereiten dein Startup oder etabliertes Unternehmen strukturell und finanziell auf den optimalen Verkaufszeitpunkt vor und begleiten den Exit.






