Break-Even

Kurz erklärt

Der Break-Even ist die Gewinnschwelle: die Absatzmenge oder der Umsatz, bei dem die Erlöse alle Kosten genau decken, sodass weder Gewinn noch Verlust entsteht.

Was ist der Break-Even?

Break-Even (deutsch Gewinnschwelle, auch Break-even Point) bezeichnet den Punkt, an dem die Erlöse die gesamten Kosten genau decken, sodass weder Gewinn noch Verlust entsteht. Er lässt sich für ein Unternehmen, ein Produkt oder ein Projekt bestimmen. An diesem Punkt entspricht die Summe der Deckungsbeiträge den Fixkosten. Der Deckungsbeitrag ist der Umsatz abzüglich der variablen Kosten, die mit jeder verkauften Einheit entstehen; Fixkosten wie Miete und Gehälter fallen unabhängig von der Menge an. Ein Imbisswagen mit fester Standmiete verdient erst dann Geld, wenn der Überschuss aus den verkauften Portionen die Miete gedeckt hat. Die Zahl der Portionen, bei der das geschieht, ist sein Break-Even.

Die Break-Even-Analyse gehört zu Controlling und Unternehmensplanung. Sie erscheint im Businessplan und im Finanzmodell, in Kredit- und Förderanträgen, in Finanzierungsrunden als Frage nach dem Weg zur Profitabilität und in der Due Diligence als Prüfung der Kostenstruktur. Neben dem ergebnisbezogenen Break-Even werden in der Praxis ein Break-Even auf Basis des EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) und ein Cashflow-Break-Even unterschieden. Sie können zu unterschiedlichen Zeitpunkten erreicht werden.

Break-Even berechnen: Formeln für Menge und Umsatz

Break-Even-Menge

Die Break-Even-Menge gibt an, wie viele Einheiten verkauft werden müssen, damit die Fixkosten gedeckt sind.

Formel: Break-Even-Menge = Fixkosten / Deckungsbeitrag je Einheit

Der Deckungsbeitrag je Einheit ist der Preis abzüglich der variablen Kosten. Bei Abonnementmodellen tritt an die Stelle der Stückzahl die Zahl der zahlenden Kunden in einem Monat oder Jahr.

Break-Even-Umsatz

Formel: Break-Even-Umsatz = Fixkosten / Deckungsbeitragsquote

Die Deckungsbeitragsquote ist der Anteil des Deckungsbeitrags am Umsatz. Diese Form eignet sich für Unternehmen mit vielen Produkten oder Preisstufen, für die sich keine einheitliche Stückzahl angeben lässt. Beide Größen führen zum selben Punkt, solange Preise und Produktmix konstant bleiben.

Sicherheitsabstand und Wirkung oberhalb der Schwelle

Der Sicherheitsabstand misst, um wie viel der tatsächliche Umsatz den Break-Even-Umsatz übersteigt, meist in Prozent des tatsächlichen Umsatzes. Er zeigt, welchen Umsatzrückgang das Unternehmen verkraftet, bevor es Verluste schreibt. Oberhalb des Break-Even wird nicht jeder zusätzliche Euro Umsatz zu Gewinn, sondern nur sein Deckungsbeitrag: Bei einer Deckungsbeitragsquote von 80 % erhöhen 100 Euro Mehrumsatz den Gewinn um 80 Euro. Wie stark der Gewinn prozentual auf eine Umsatzänderung reagiert, beschreibt der operative Hebel, das Verhältnis von Deckungsbeitrag zu Gewinn. Er ist umso größer, je näher das Unternehmen an der Gewinnschwelle liegt, und entspricht dem Kehrwert des Sicherheitsabstands.

Der Break-Even im Zeitverlauf

Für Wachstumsunternehmen zählt weniger die Höhe des Break-Even als der Zeitpunkt, zu dem er erreicht wird. Im Finanzmodell ist das der Monat, in dem die wachsende Summe der Deckungsbeiträge erstmals die Fixkosten erreicht. Bis dahin summieren sich die monatlichen Verluste zu dem Kapitalbedarf, den das Unternehmen bis zum Break-Even finanzieren muss.

Der Zeitpunkt verschiebt sich, sobald die Fixkosten nicht konstant bleiben. Neue Stellen in Vertrieb, Entwicklung und Kundenbetreuung erhöhen den Fixkostenblock in Stufen (sprungfixe Kosten) und heben die erforderliche Kundenzahl. Auch saisonale Schwankungen verschieben ihn. Ein Unternehmen, das in umsatzstarken Monaten über der Schwelle liegt und in schwachen darunter, hat den Break-Even erst erreicht, wenn er über einen vollen Jahreszyklus hält.

Ergebnis-, EBITDA- und Cashflow-Break-Even

  • Ergebnis-Break-Even: Das Jahresergebnis nach Abschreibungen, Zinsen und Steuern ist null. Er ist die strengste bilanzielle Form, weil er auch Abschreibungen auf Investitionen und die Finanzierungskosten einschließt.
  • EBITDA-Break-Even: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist null. Wachstumsunternehmen erreichen ihn meist früher und verwenden ihn als ersten Nachweis, dass das operative Geschäft seine laufenden Kosten trägt.
  • Cashflow-Break-Even: Die Zuflüsse aus dem laufenden Geschäft decken die Abflüsse, je nach Definition einschließlich Investitionen und Tilgungen. Ab diesem Punkt kommt das Unternehmen ohne neues Kapital aus; der Zustand wird auch als Cash Flow Positive bezeichnet.

Welcher Punkt zuerst erreicht wird, hängt vom Geschäftsmodell ab. Zahlen Kunden Jahresbeiträge im Voraus, fließt Liquidität zu, bevor der Umsatz gebucht wird; der Cashflow-Break-Even kann dann vor dem Ergebnis-Break-Even liegen. Aktivierte Entwicklungskosten, Investitionen, Vorräte und lange Zahlungsziele der Kunden wirken in die Gegenrichtung. Ein Unternehmen kann deshalb bilanziell Gewinn ausweisen und zugleich Liquidität verlieren.

Bedeutung in Finanzierung, Bewertung und Due Diligence

Wagniskapitalinvestoren finanzieren bewusst Verluste, um Wachstum zu ermöglichen. Für sie ist der Break-Even deshalb weniger ein Ziel der nächsten Monate als ein Maßstab für das Risiko im Plan. Je weiter er in der Zukunft liegt und je mehr Kapital bis dahin nötig ist, desto höher ist das Finanzierungsrisiko, das in die Bewertung einfließt. Ein Unternehmen, das den Break-Even mit dem vorhandenen Kapital erreichen kann, gilt als Default Alive und verhandelt aus einer stärkeren Position.

In der Due Diligence wird die Kostenstruktur hinter dem Break-Even geprüft. Dazu gehören marktübliche Gehälter für Gründer in der Geschäftsführung, die Abgrenzung fixer und variabler Kosten, die tatsächlich erzielten Preise und die Stellen, die für das geplante Wachstum hinzukommen. Ein Break-Even, der nur unter Annahmen erreicht wird, die in keinem dieser Punkte den Ist-Zahlen entsprechen, wird von Investoren und Käufern neu gerechnet.

Rechenbeispiel: Break-Even berechnen für ein Abonnementmodell

Ein Softwareanbieter hat Fixkosten von 200.000 Euro im Monat für Personal, Miete und Verwaltung. Ein Abonnement kostet 250 Euro im Monat, die variablen Kosten je Kunde betragen 50 Euro. Derzeit zahlen 700 Kunden, und jeden Monat kommen netto 25 hinzu.

  • Deckungsbeitrag je Kunde: 250 Euro minus 50 Euro = 200 Euro, Deckungsbeitragsquote 200 / 250 = 80 %
  • Break-Even-Menge: 200.000 Euro / 200 Euro = 1.000 zahlende Kunden
  • Break-Even-Umsatz: 200.000 Euro / 0,80 = 250.000 Euro im Monat, also 3,0 Mio. Euro im Jahr
  • Zeit bis zum Break-Even: (1.000 minus 700) / 25 = 12 Monate
  • Monatsverlust im ersten Monat: 200.000 Euro minus 725 × 200 Euro = 55.000 Euro; er sinkt jeden Monat um 25 × 200 Euro = 5.000 Euro
  • Kumulierter Verlust bis zum Break-Even: Summe der Monatsverluste von 55.000 Euro im ersten bis 5.000 Euro im elften Monat = 330.000 Euro
  • Zusätzliche Stellen ab Monat 7 mit 20.000 Euro Fixkosten im Monat: neue Break-Even-Menge 220.000 / 200 = 1.100 Kunden, erreicht nach (1.100 minus 700) / 25 = 16 Monaten
  • Kumulierter Verlust in diesem Fall: 255.000 Euro in den Monaten 1 bis 6 plus 225.000 Euro in den Monaten 7 bis 15 = 480.000 Euro
  • Im Ausgangsfall bei 1.200 Kunden: Gewinn (1.200 minus 1.000) × 200 Euro = 40.000 Euro im Monat bei 300.000 Euro Umsatz; Sicherheitsabstand (300.000 minus 250.000) / 300.000 = 16,7 %
  • Operativer Hebel bei 1.200 Kunden: 240.000 Euro Deckungsbeitrag / 40.000 Euro Gewinn = 6, also der Kehrwert von 16,7 %
  • Umsatzrückgang um 10 % auf 1.080 Kunden: Gewinn 1.080 × 200 Euro minus 200.000 Euro = 16.000 Euro, also 60 % weniger

Das Beispiel zeigt vier Zusammenhänge. Oberhalb der Schwelle wächst der Gewinn nur um den Deckungsbeitrag: 200 zusätzliche Kunden bringen 50.000 Euro Mehrumsatz, aber nur 40.000 Euro Gewinn. Knapp über der Schwelle reagiert der Gewinn stark: Ein Umsatzrückgang von 10 % kostet 60 % des Gewinns. Zusätzliche Fixkosten verschieben den Break-Even um vier Monate und erhöhen den Kapitalbedarf bis dahin um 150.000 Euro. Läge die Vergütung der Geschäftsführung unter Marktniveau, wäre der ausgewiesene Break-Even früher erreicht als unter fremden Bedingungen.

Abgrenzung: Break-Even, Cash Flow Positive und Burn Rate

  • Cash Flow Positive: beschreibt den Zustand, in dem das Unternehmen dauerhaft mehr Liquidität erwirtschaftet, als es verbraucht. Der Cashflow-Break-Even ist der Zeitpunkt, an dem dieser Zustand beginnt.
  • CAC Payback Period: der Break-Even eines einzelnen Kunden, also der Zeitpunkt, ab dem sein Deckungsbeitrag die Gewinnungskosten eingespielt hat. Sie betrifft die Einheit, nicht das Gesamtunternehmen.
  • Burn Rate: der monatliche Liquiditätsverbrauch vor Erreichen des Cashflow-Break-Even. Aus Burn Rate und vorhandener Liquidität ergibt sich die Runway.

Typische Fehler

  • Fixkosten als konstant unterstellt. Wachstum erfordert zusätzliche Stellen und Infrastruktur. Ohne diese Stufen zeigt die Planung einen Break-Even, der mit dem Wachstum weiter nach hinten wandert.
  • Gründergehälter unter Marktniveau. Ein Break-Even, der nur erreicht wird, weil die Geschäftsführung auf marktübliche Vergütung verzichtet, hält einer Due Diligence nicht stand.
  • Deckungsbeitragsquote aus der Preisliste. Rabatte, Zahlungsausfälle und Aufwand für Kundenbetreuung senken die tatsächliche Quote. Maßgeblich sind die Ist-Werte der letzten zwölf Monate.
  • Ergebnis und Liquidität gleichgesetzt. Ein ausgewiesener Gewinn schützt nicht vor Liquiditätsengpässen, wenn Mittel in Forderungen, Vorräten oder Investitionen gebunden sind.
  • Einzelne Monate als Nachweis. Ein Break-Even in einem saisonal starken Monat ist noch kein nachhaltiger Break-Even.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Break-even Point?

Indem die Fixkosten durch den Deckungsbeitrag je Einheit geteilt werden; das Ergebnis ist die Break-Even-Menge. Für den Break-Even-Umsatz werden die Fixkosten durch die Deckungsbeitragsquote geteilt. Bei 200.000 Euro Fixkosten im Monat und 200 Euro Deckungsbeitrag je Kunde liegt die Schwelle bei 1.000 Kunden.

Muss ein Wachstumsunternehmen den Break-Even vor einer Finanzierungsrunde erreichen?

Nein. Wagniskapital finanziert gerade die Phase vor dem Break-Even. Investoren erwarten aber einen nachvollziehbaren Weg dorthin und die Aussage, bei welchem Umsatz und welcher Kostenstruktur die Schwelle erreicht wäre, wenn das Wachstum gebremst würde.

Wie hängen Break-Even und Runway zusammen?

Die Runway gibt an, wie lange die vorhandene Liquidität beim aktuellen Verbrauch reicht; der Cashflow-Break-Even markiert den Zeitpunkt, ab dem kein weiterer Verbrauch mehr entsteht. Liegt der Break-Even innerhalb der Runway, ist das Unternehmen nicht auf neues Kapital angewiesen. Liegt er dahinter, muss die Finanzierung mindestens bis zu einem Meilenstein reichen, der eine Anschlussrunde trägt.

Welche Rolle spielt der Break-Even im Bankgespräch?

Eine notwendige, aber keine hinreichende. Banken prüfen die Kapitaldienstfähigkeit: Der Cashflow muss über die laufenden Kosten hinaus auch Zins und Tilgung der Kredite tragen. Ein Unternehmen genau am Break-Even kann einen Kredit deshalb noch nicht aus eigener Kraft bedienen.

Roemer Capital Perspektive

Im Finanzmodell weisen wir den Zeitpunkt des Break-Even in allen drei Planungsfällen aus, jeweils getrennt nach EBITDA und Cashflow. Die Fixkosten planen wir in den Stufen, in denen Stellen und Infrastruktur tatsächlich hinzukommen, die Geschäftsführung mit marktüblicher Vergütung. So hält die Schwelle auch der Rechnung eines Investors in der Due Diligence stand.

Für die Vorbereitung einer Finanzierungsrunde verbinden wir diese Rechnung mit der Runway, die bei Prozessbeginn 12 bis 18 Monate betragen sollte. Zeigt das Modell, dass der Cashflow-Break-Even bei gebremstem Wachstum innerhalb dieser Spanne erreichbar wäre, ist das ein Argument, das in Gesprächen mit Investoren und Banken gleichermaßen trägt.

Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

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Artikel recherchiert und geschrieben von:

Break-Even
Lucas Roemer
Gründer und CEO
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