Management-Buy-out (MBO)

In Short

Beim Management-Buy-out kauft die eigene Führungsmannschaft das Unternehmen. Der Engpass ist fast nie der Wille, sondern die Finanzierung.

Was ist ein Management-Buy-out?

Beim Management-Buy-out, kurz MBO, übernimmt die vorhandene Geschäftsführung das Unternehmen vom bisherigen Eigentümer. Kommt die übernehmende Führungskraft von außen, spricht man vom Management-Buy-in.

Warum er oft die beste Lösung ist

  • Die Käufer kennen das Geschäft. Die Prüfung ist kürzer, das Risiko einer bösen Überraschung geringer.
  • Kunden und Mitarbeitende bleiben eher. Es wechselt kein Gesicht, nur das Eigentum.
  • Diskretion. Kein Wettbewerber bekommt Einblick in Zahlen und Kundenlisten.
  • Der Übergeber kann Einfluss behalten, wenn er will — über eine Restbeteiligung oder einen Beirat.

Der Engpass ist die Finanzierung

Führungskräfte haben Kompetenz, aber selten das Eigenkapital für einen Kaufpreis im Millionenbereich. Die Finanzierung wird deshalb gestapelt:

  1. Eigenkapital der Käufer: häufig zehn bis zwanzig Prozent. Es geht nicht nur um den Betrag — Banken wollen sehen, dass die Käufer eigenes Geld riskieren.
  2. Bankdarlehen: der größte Teil, besichert durch die übernommenen Anteile und das Vermögen des Unternehmens.
  3. Verkäuferdarlehen: der gestundete Teil. Beim MBO fast immer dabei, oft zwanzig bis dreissig Prozent.
  4. Gegebenenfalls Beteiligungskapital einer Beteiligungsgesellschaft oder Mezzanine-Kapital.

Rechenbeispiel

Kaufpreis 2,8 Mio. Euro für einen Betrieb mit 480.000 Euro EBITDA.

  • Eigenkapital der drei Führungskräfte: 350.000 Euro
  • Bankdarlehen: 1,6 Mio. Euro, sieben Jahre
  • Verkäuferdarlehen: 850.000 Euro, fünf Jahre, nachrangig

Kapitaldienst im ersten Jahr: rund 290.000 Euro Tilgung und Zins. Bei 480.000 Euro EBITDA bleibt wenig Spielraum für Investitionen oder ein schwaches Jahr.

Genau das ist die Rechnung, an der ein MBO steht oder fällt — nicht der Kaufpreis, sondern die Kapitaldienstfähigkeit danach.

Der Interessenkonflikt

Ein Punkt, der selten offen angesprochen wird: Die Käufer führen das Unternehmen, während über den Preis verhandelt wird. Sie kennen jede Schwachstelle und haben es in der Hand, wie das laufende Jahr aussieht.

Das ist kein Vorwurf, sondern eine Struktur. Sie gehört anerkannt und geregelt: klare Absprachen, wer wann welche Zahlen bekommt, und im Zweifel eine unabhängige Bewertung als Grundlage.

Typische Fehler

  1. Den Kapitaldienst nicht durchrechnen. Ein Kaufpreis, den das Unternehmen nicht tragen kann, schadet allen — auch dem Verkäufer mit gestundetem Anteil.
  2. Ohne Bank sprechen starten. Die Finanzierbarkeit bestimmt den Preis, nicht umgekehrt.
  3. Den Interessenkonflikt ignorieren. Er führt zu Misstrauen in genau der Beziehung, die danach weiter tragen soll.
  4. Keine Regelung unter den Käufern treffen. Drei Führungskräfte, die gemeinsam kaufen, brauchen eine Gesellschaftervereinbarung — spätestens beim ersten Streit.
  5. Die Abhängigkeit vom Übergeber unterschätzen. Wenn die größten Kunden am alten Inhaber hängen, kauft das Management ein Problem.

Häufige Fragen

Wie viel Eigenkapital braucht das Management?

Banken erwarten üblicherweise einen spürbaren Eigenanteil — spürbar gemessen am Vermögen der Käufer, nicht am Kaufpreis. Wichtiger als die Quote ist, dass es echtes eigenes Geld ist.

Zahlt ein MBO weniger als ein strategischer Käufer?

Meist ja, weil keine Synergien entstehen und die Finanzierung begrenzt ist. Dafür ist der Prozess kürzer, diskreter und der Fortbestand gesicherter.

Kann ich beides parallel verfolgen?

Ja, und es ist üblich — aber es gehört offen gesagt. Ein Management, das erst aus dem Markt erfährt, dass parallel verkauft wird, ist danach kein Management mehr.

Roemer Capital Perspektive

Wir rechnen bei einem MBO zuerst rückwärts: Welchen Kapitaldienst trägt das Unternehmen im vorsichtigen Fall über sieben Jahre? Daraus ergibt sich der finanzierbare Kaufpreis. Erst danach wird über den Wunschpreis gesprochen. Diese Reihenfolge erspart Verhandlungen über Beträge, die ohnehin keine Bank finanziert.

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Artikel recherchiert und geschrieben von:

Management-Buy-out (MBO)
Lucas Roemer
CEO von Roemer Capital
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