Unternehmensbewertung: Methoden, Beispiel, typische Fehler

- Eine Unternehmensbewertung ermittelt den Wert eines Unternehmens zu einem Stichtag. Das Ergebnis ist immer eine Spanne, keine einzelne Zahl.
- Etablierte Unternehmen werden meist über bereinigtes EBITDA mal Multiplikator bewertet und per DCF oder Ertragswert nach IDW S 1 gegengeprüft.
- Startups ohne Gewinn bewertet man über Umsatzmultiplikatoren, die Venture-Capital-Methode und die First-Chicago-Methode.
- Vom Enterprise Value zum Wert deiner Anteile kommst du, indem du die Nettofinanzverschuldung abziehst.
- Im Beispiel ergibt ein Softwareunternehmen mit 10 Mio. Euro Umsatz und 1,8 Mio. Euro bereinigtem EBITDA eine Spanne von 10,8 bis 14,4 Mio. Euro für alle Anteile.
Eine Unternehmensbewertung ermittelt, was ein Unternehmen oder seine Anteile an einem Stichtag wert sind. Bei etablierten Unternehmen rechnest du meist das bereinigte EBITDA mal einen Multiplikator vergleichbarer Unternehmen, prüfst das Ergebnis mit einer DCF- oder Ertragswertrechnung und ziehst die Nettofinanzverschuldung ab. Heraus kommt keine einzelne Zahl, sondern eine Spanne: im Beispiel unten 10,8 bis 14,4 Mio. Euro für alle Anteile eines Softwareunternehmens mit 10 Mio. Euro Umsatz.
Dieser Ratgeber erklärt die gängigen Methoden, zeigt den Unterschied zwischen Enterprise Value und Equity Value und rechnet ein Beispiel Schritt für Schritt durch. Danach weißt du, welche Methode zu deinem Unternehmen passt und welche Fehler Käufer und Investoren sofort sehen.
Welche Methoden der Unternehmensbewertung gibt es?
Die Methoden lassen sich in vier Gruppen ordnen:
- Multiplikatorverfahren: Der Wert ergibt sich aus einer Kennzahl wie Umsatz oder EBITDA mal einem Faktor, den der Markt für vergleichbare Unternehmen zahlt.
- Barwertverfahren: Ertragswertverfahren und DCF-Methode rechnen die Überschüsse der kommenden Jahre auf ihren heutigen Wert um.
- Substanzwert: Er addiert die einzelnen Vermögenswerte und zieht die Schulden ab.
- Verfahren für Startups: Venture-Capital-Methode und First-Chicago-Methode rechnen vom erwarteten Verkauf in einigen Jahren zurück auf heute.
In Deutschland prägt der Standard IDW S 1 des Instituts der Wirtschaftsprüfer die Bewertung. Er ist kein Gesetz, wird aber von Gutachtern und Gerichten herangezogen. Nach IDW S 1 bemisst sich der Wert am Barwert der künftigen Überschüsse, also am Ertragswert oder am DCF-Wert. Multiplikatoren dienen dort nur zur Plausibilisierung. Beim Unternehmensverkauf und in Finanzierungsrunden sprechen Käufer und Investoren dagegen fast immer in Multiplikatoren. Eine gute Bewertung nutzt deshalb beides.
Wichtig ist außerdem der Unterschied zwischen Wert und Preis. Der Wert ist das Ergebnis einer Rechnung aus Sicht einer Partei. Der Preis ist das, worauf sich Käufer und Verkäufer einigen. Wie weit der Preis vom Wert abweicht, hängt vor allem davon ab, wie viele ernsthafte Interessenten am Tisch sitzen.
Wie funktioniert das Multiplikatorverfahren?
Das Multiplikatorverfahren ist die schnellste Methode. Die Formel lautet: Unternehmenswert gleich Kennzahl mal Multiplikator. Die Kennzahl ist bei profitablen Unternehmen meist das bereinigte EBITDA, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ohne Einmaleffekte. Bei schnell wachsenden Unternehmen ohne Gewinn nimmt man den Umsatz oder den wiederkehrenden Jahresumsatz (ARR).
Den Multiplikator leitest du aus zwei Quellen ab:
- Börsenwerte vergleichbarer Unternehmen (Trading Comparables): Börsenwert plus Schulden, geteilt durch deren EBITDA oder Umsatz.
- Kaufpreise abgeschlossener Übernahmen (Precedent Transactions): was Käufer für ähnliche Unternehmen tatsächlich gezahlt haben.
Die oft gesuchte Faustformel „Gewinn mal X“ ist genau dieses Verfahren in grober Form. Sie taugt für eine erste Einordnung, nicht als Preis. Ein Multiplikator von einem börsennotierten Konzern passt selten auf einen Mittelständler mit 10 Mio. Euro Umsatz. Größe, Wachstum, Marge, Kundenstruktur und Marktphase verschieben den Faktor deutlich. Belastbare Spannen kommen aus Transaktionsdatenbanken mit wirklich vergleichbaren Fällen, nicht aus Zeitungsartikeln.
Was ist das Ertragswertverfahren nach IDW S 1?
Das Ertragswertverfahren rechnet die Überschüsse, die nach Zinsen und Unternehmenssteuern an die Eigentümer fließen können, auf ihren heutigen Wert um. Der Zinssatz dafür heißt Kapitalisierungszins. Er drückt aus, welche Rendite die Eigentümer für ihr Risiko erwarten. Weil die Zinsen für Kredite schon abgezogen sind, ist das Ergebnis direkt der Wert des Eigenkapitals.
Ein einfaches Beispiel: Erwartest du dauerhaft 500.000 Euro Überschuss pro Jahr und liegt der Kapitalisierungszins bei 10 Prozent, ergibt sich ein Ertragswert von 5 Mio. Euro (500.000 geteilt durch 0,10). Ein echtes Gutachten plant die Überschüsse Jahr für Jahr und leitet den Zinssatz aus Kapitalmarktdaten her.
Nicht verwechseln solltest du es mit dem vereinfachten Ertragswertverfahren aus dem Bewertungsgesetz (§§ 199 ff. BewG). Das ist eine Methode für steuerliche Zwecke, etwa bei Schenkung und Erbschaft, und führt oft zu anderen Werten als eine Bewertung für einen Verkauf.
Wie funktioniert die DCF-Methode?
Die DCF-Methode (Discounted Cashflow) bewertet ein Unternehmen mit dem heutigen Wert seiner künftigen freien Cashflows. Freier Cashflow ist das Geld, das nach Steuern, Investitionen und dem Aufbau von Vorräten und Forderungen übrig bleibt. Nach IDW S 1 führt sie bei gleichen Annahmen zum gleichen Ergebnis wie das Ertragswertverfahren. Die verbreitete Form läuft in fünf Schritten:
- Freie Cashflows für drei bis fünf Planjahre schätzen.
- Einen Endwert für die Zeit danach berechnen, meist als ewige Rente mit kleinem, dauerhaftem Wachstum.
- Alle Beträge mit den gewichteten Kapitalkosten (WACC) abzinsen. Das ist ein Mischsatz aus der Rendite, die Eigentümer erwarten, und den Zinsen für Kredite.
- Die Barwerte addieren. Das ergibt den Enterprise Value.
- Die Nettofinanzverschuldung abziehen. Das ergibt den Wert der Anteile.
Die Schwachstelle ist der Endwert. Er macht oft den größten Teil des Ergebnisses aus, im Beispiel unten rund 80 Prozent. Kleine Änderungen beim Zinssatz oder bei der Wachstumsrate verschieben den Wert deshalb stark. Mehr Details findest du im Glossar unter DCF Valuation.
Wann zählt der Substanzwert?
Der Substanzwert addiert alle Vermögenswerte zu Zeitwerten und zieht die Schulden ab. Er beantwortet die Frage, was in dem Unternehmen an greifbaren Werten steckt. Für Technologieunternehmen sagt er wenig aus, weil der Wert in Software, Kundenbeziehungen und Team liegt. Diese tauchen in der Bilanz kaum auf.
IDW S 1 misst dem Substanzwert keine eigenständige Bedeutung bei. Eine Rolle spielt er in zwei Fällen. Erstens als Liquidationswert: Bringen Auflösung und Einzelverkauf mehr als die Fortführung, bildet dieser Wert die Untergrenze. Zweitens im Steuerrecht: Bei Anteilen an nicht börsennotierten Kapitalgesellschaften darf der gemeine Wert den Substanzwert nicht unterschreiten (§ 11 Abs. 2 BewG).
Wie bewertet man ein Startup?
Schreibt ein Unternehmen noch Verluste, liegt fast der gesamte Wert in fernen Planjahren. Barwertverfahren werden dann unzuverlässig. Investoren rechnen deshalb vom erwarteten Verkauf her. Zwei Methoden sind verbreitet.
Venture-Capital-Methode
Der Investor schätzt den Wert beim Verkauf in fünf bis sieben Jahren und rechnet mit seiner Zielrendite auf heute zurück. Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten:
- Investition heute: 2 Mio. Euro. Geplanter Umsatz in fünf Jahren: 20 Mio. Euro.
- Angenommenes Exit-Multiple von 4 auf den Umsatz: Wert beim Verkauf 80 Mio. Euro.
- Der Investor will das Zehnfache seines Einsatzes, also 20 Mio. Euro. Dafür braucht er beim Verkauf 25 Prozent (20 geteilt durch 80).
- Spätere Runden verwässern ihn. Er behält angenommen 75 Prozent seines Anteils, braucht heute also 33,3 Prozent (25 geteilt durch 0,75).
- Post-Money-Bewertung: 2 Mio. geteilt durch 33,3 Prozent ergibt 6 Mio. Euro. Pre-Money-Bewertung: 6 minus 2 ergibt 4 Mio. Euro.
Das Zehnfache in fünf Jahren entspricht rund 58 Prozent Rendite pro Jahr. Der hohe Wert deckt das Risiko ab, dass viele Beteiligungen scheitern, denn die Methode betrachtet nur den Erfolgsfall.
First-Chicago-Methode
Die First-Chicago-Methode rechnet mit mehreren Szenarien und gewichtet sie nach Wahrscheinlichkeit. Gleiches Startup, angenommene Werte:
- Planfall: Verkauf für 80 Mio. Euro, Wahrscheinlichkeit 30 Prozent, gewichtet 24 Mio. Euro.
- Seitwärtsfall: Verkauf für 30 Mio. Euro, Wahrscheinlichkeit 40 Prozent, gewichtet 12 Mio. Euro.
- Scheitern: 0 Euro, Wahrscheinlichkeit 30 Prozent, gewichtet 0 Euro.
Der gewichtete Verkaufswert liegt bei 36 Mio. Euro. Weil das Scheitern jetzt ausdrücklich in der Rechnung steht, reicht ein niedrigeres Zielvielfaches, hier das Vierfache (rund 32 Prozent pro Jahr). 36 Mio. geteilt durch 4, mal 0,75 für die Verwässerung, ergibt eine Post-Money-Bewertung von 6,75 Mio. Euro und eine Pre-Money-Bewertung von 4,75 Mio. Euro. Beide Methoden landen in derselben Größenordnung. Genau dafür ist die Gegenprobe da.
Ergänzend vergleichen Investoren mit den Bewertungen ähnlicher Runden. Wie Pre-Money, Post-Money und Anteil zusammenhängen, kannst du im Pre-Money- und Post-Money-Rechner ausprobieren. Welche Investoren zu welcher Phase passen, steht im Ratgeber Investoren finden.
Was ist der Unterschied zwischen Enterprise Value und Equity Value?
Der Enterprise Value ist der Wert des laufenden Geschäfts. Er steht allen Kapitalgebern zusammen zu, also Eigentümern und Kreditgebern. Der Equity Value ist der Wert der Anteile, also das, was nach Bedienung der Kreditgeber für die Gesellschafter übrig bleibt. Multiplikatoren auf EBITDA oder Umsatz und die DCF-Methode liefern den Enterprise Value. Der Ertragswert und die Pre-Money-Bewertung einer Finanzierungsrunde sind dagegen schon Equity Values.
Die Brücke zwischen beiden ist die Nettofinanzverschuldung. Vom Enterprise Value aus rechnest du so:
- abziehen: Bankdarlehen, Gesellschafterdarlehen und andere Finanzschulden
- hinzurechnen: frei verfügbare liquide Mittel
- abziehen: schuldenähnliche Posten wie Pensionsrückstellungen oder rückständige Steuern
- hinzurechnen: Vermögen, das der Betrieb nicht braucht, etwa eine ungenutzte Immobilie
Im Kaufvertrag heißt das meist „cash-free, debt-free“. Der Käufer bietet einen Preis für das Unternehmen ohne Schulden und ohne Kasse. Davon gehen die tatsächlichen Schulden ab, die Kasse kommt hinzu. Erhältst du auf dieser Basis ein Angebot über 15 Mio. Euro und hast 3 Mio. Euro Kredite und 1 Mio. Euro auf dem Konto, bekommst du für deine Anteile 13 Mio. Euro.
Unternehmenswert berechnen: ein vollständiges Beispiel
Ein fiktives Softwareunternehmen verkauft eine Planungssoftware an mittelständische Kunden. Die Zahlen des letzten Jahres:
- Umsatz: 10,0 Mio. Euro, davon gut drei Viertel wiederkehrend
- EBITDA laut Abschluss: 1,5 Mio. Euro
- Bankdarlehen: 2,5 Mio. Euro, Gesellschafterdarlehen: 0,5 Mio. Euro
- frei verfügbare liquide Mittel: 1,2 Mio. Euro
Die Multiplikatoren in diesem Beispiel sind Annahmen zum Rechnen, keine Marktwerte für eine Branche.
- EBITDA bereinigen. Die geschäftsführenden Gesellschafter zahlen sich zusammen 150.000 Euro mehr, als angestellte Geschäftsführer kosten würden. Dazu kamen 150.000 Euro einmalige Kosten für einen Rechtsstreit. Bereinigtes EBITDA: 1,5 plus 0,15 plus 0,15 ergibt 1,8 Mio. Euro.
- Multiplikator anwenden. Angenommene Spanne 7 bis 9 auf das EBITDA: 1,8 mal 7 ergibt 12,6 Mio. Euro, 1,8 mal 9 ergibt 16,2 Mio. Euro Enterprise Value.
- Mit dem Umsatz gegenprüfen. Angenommene Spanne 1,2 bis 1,6 auf den Umsatz: 12,0 bis 16,0 Mio. Euro. Beide Spannen passen zueinander.
- DCF rechnen. Geplante freie Cashflows: 1,1, 1,3 und 1,5 Mio. Euro in den Jahren 1 bis 3. Kapitalkosten (WACC) 11 Prozent, dauerhaftes Wachstum danach 2 Prozent. Abzinsungsfaktoren: 0,9009, 0,8116 und 0,7312. Barwerte: 0,991 plus 1,055 plus 1,097 ergibt 3,14 Mio. Euro.
- Endwert bestimmen. Cashflow im Jahr 4: 1,5 mal 1,02 ergibt 1,53 Mio. Euro. Endwert: 1,53 geteilt durch 0,09 (11 minus 2 Prozent) ergibt 17,0 Mio. Euro. Auf heute abgezinst: 17,0 mal 0,7312 ergibt 12,43 Mio. Euro.
- Enterprise Value nach DCF. 3,14 plus 12,43 ergibt 15,57 Mio. Euro. Davon entfallen rund 80 Prozent auf den Endwert.
- Nettofinanzverschuldung bestimmen. 2,5 plus 0,5 minus 1,2 ergibt 1,8 Mio. Euro.
- Equity Value ableiten. Multiplikator: 12,6 minus 1,8 ergibt 10,8 Mio. Euro, 16,2 minus 1,8 ergibt 14,4 Mio. Euro. DCF: 15,57 minus 1,8 ergibt 13,77 Mio. Euro.
Ergebnis: Für 100 Prozent der Anteile liegt eine plausible Spanne bei 10,8 bis 14,4 Mio. Euro. Der DCF-Wert von rund 13,8 Mio. Euro liegt im oberen Teil. Das ist erklärbar, denn die Planung unterstellt weiter steigende Cashflows. Ein Käufer wird genau diese Planung in der Due Diligence prüfen.
Wie empfindlich ist das Ergebnis? Mit 10 statt 11 Prozent Kapitalkosten steigt der Enterprise Value nach DCF auf rund 17,6 Mio. Euro, mit 12 Prozent sinkt er auf rund 14,0 Mio. Euro. Ein Prozentpunkt verschiebt den Wert also um 10 bis 13 Prozent. Bei 1 Prozent dauerhaftem Wachstum statt 2 Prozent ergeben sich rund 14,2 Mio. Euro, bei 3 Prozent rund 17,3 Mio. Euro.
Und der Substanzwert? Er liegt bei diesem Unternehmen bei rund 2 Mio. Euro, vor allem Forderungen und Kasse abzüglich Schulden. Für den Preis spielt er keine Rolle, weil der Wert im laufenden Geschäft steckt.
Eine erste Spanne für dein eigenes Unternehmen liefert der Bewertungsrechner auf Basis von Branche, Umsatzentwicklung und Profitabilität. Er ersetzt keine Bewertung, zeigt dir aber schnell, in welcher Größenordnung du dich bewegst.
Was treibt den Unternehmenswert?
Zwei Unternehmen mit gleichem EBITDA können sehr unterschiedlich viel wert sein. Den Unterschied machen diese Werttreiber:
- Wachstum: Wer schneller wächst, hat höhere künftige Überschüsse und bekommt einen höheren Multiplikator.
- Wiederkehrende Umsätze: Verträge und Abos sind planbarer als Projektgeschäft.
- Marge: Eine hohe Bruttomarge zeigt, dass Wachstum nicht jedes Mal im gleichen Maß neue Kosten verursacht.
- Kundenkonzentration: Bringt ein einzelner Kunde ein Viertel des Umsatzes, rechnet jeder Käufer mit einem Abschlag.
- Abhängigkeit von Personen: Läuft der Vertrieb nur über den Gründer, sinkt der Wert, oder der Käufer verlangt, dass der Gründer länger bleibt.
- Planungstreue: Hast du frühere Pläne erreicht, glauben Käufer auch dem neuen.
- Saubere Zahlen: Monatliche Auswertungen, ein Finanzmodell und ein geordneter Datenraum verkürzen die Prüfung und senken das Risiko aus Sicht des Käufers.
- Wettbewerb unter Interessenten: Ein einzelner Bieter verhandelt anders als drei.
Typische Fehler
- Nur eine Methode: Belastbar wird eine Bewertung erst mit mindestens zwei Verfahren, deren Abweichung du erklären kannst.
- Unbereinigte Zahlen: Einmalkosten, private Ausgaben oder ein Gesellschaftergehalt weit über oder unter Markt verzerren jedes Ergebnis.
- Enterprise Value mit Equity Value verwechselt: Ein EBITDA-Multiplikator liefert den Wert für alle Kapitalgeber. Deine Anteile sind weniger wert, sobald Schulden da sind.
- Fremde Multiplikatoren übernommen: Faktoren von börsennotierten US-Konzernen oder aus Pressemeldungen über Einzelfälle passen selten auf dein Unternehmen.
- Planung als Hockeyschläger: Steigen Umsatz und Marge im Plan plötzlich steil an, ohne dass du die Gründe belegen kannst, rechnet der Käufer mit eigenen, niedrigeren Zahlen.
- Endwert ohne Prüfung: Eine hohe Wachstumsrate im Endwert verlängert eine Ausnahmephase in die Ewigkeit.
- Bewertung mit Preis verwechselt: Eine Rechnung zeigt den Wert. Den Preis bestimmen Verhandlung, Struktur und die Zahl der Interessenten. Auch Earn-Out, Garantien oder Liquidationspräferenzen verändern, was am Ende bei dir ankommt.
Häufige Fragen
Wie viel ist mein Unternehmen wert?
Das lässt sich nur mit deinen Zahlen beantworten. Ein guter erster Schritt ist das bereinigte EBITDA mal einer Spanne von Multiplikatoren vergleichbarer Unternehmen, abzüglich der Nettofinanzverschuldung. Ohne Gewinn nimmst du den Umsatz als Basis. Prüfe das Ergebnis danach mit einer zweiten Methode.
Welche Methode der Unternehmensbewertung ist die richtige?
Es gibt nicht die eine richtige Methode. Profitable Unternehmen werden meist über EBITDA-Multiplikatoren und eine DCF- oder Ertragswertrechnung bewertet, Startups ohne Gewinn über Umsatzmultiplikatoren, die Venture-Capital-Methode und Vergleichsrunden. Entscheidend ist, dass mindestens zwei Verfahren zusammenpassen.
Brauche ich für einen Verkauf ein Gutachten nach IDW S 1?
Nein. Beim Verkauf zwischen unabhängigen Parteien entscheidet der verhandelte Preis, ein Gutachten schreibt kein Gesetz vor. Ein Gutachten nach IDW S 1 brauchst du vor allem, wenn ein Wert vor Gericht halten muss, etwa bei einem Streit um eine Abfindung.
Was kostet eine Unternehmensbewertung?
Das hängt von Anlass und Umfang ab. Eine erste Einordnung bekommst du kostenlos über einen Online-Rechner. Ein Gutachten eines Wirtschaftsprüfers nach IDW S 1 ist deutlich aufwendiger und entsprechend teurer. Für einen Verkauf oder eine Finanzierungsrunde reicht meist eine fundierte Spanne mit offengelegten Annahmen.
Welchen Wert setzt das Finanzamt an?
Das Finanzamt setzt den gemeinen Wert nach dem Bewertungsgesetz an. Bei Anteilen an nicht börsennotierten Kapitalgesellschaften wird er vorrangig aus Verkäufen unter fremden Dritten abgeleitet, die weniger als ein Jahr zurückliegen, sonst unter Berücksichtigung der Ertragsaussichten. Der Substanzwert bildet die Untergrenze (§ 11 Abs. 2 BewG). Die Details klärst du mit deiner Steuerberatung.
Wie bewertet man ein Unternehmen ohne Gewinn?
Über den Umsatz oder den wiederkehrenden Jahresumsatz mal einen Multiplikator, über die Venture-Capital-Methode und über Bewertungen vergleichbarer Finanzierungsrunden. Wachstum, Marge und Kundenbindung bestimmen, wo in der Spanne du landest.
Wie lange gilt eine Unternehmensbewertung?
Streng genommen nur für ihren Stichtag. Ändern sich Geschäftszahlen, Zinsen oder die Preise vergleichbarer Unternehmen, musst du neu rechnen. In einem laufenden Verkauf oder einer Runde solltest du die Bewertung mit neuen Monatszahlen aktualisieren.
Wie Roemer Capital unterstützt
Roemer Capital ist eine unabhängige Fundraising- und M&A-Boutique aus Düsseldorf. Wir begleiten Technologieunternehmen mit Produkt am Markt und laufendem Umsatz bei Finanzierungsrunden ab 1 Mio. Euro und beim Unternehmensverkauf. Dabei rechnen wir nie mit nur einer Methode. Grundlage ist ein Finanzmodell über mindestens drei Jahre mit Basisfall, vorsichtigem und optimistischem Fall. Daneben stehen Multiplikatoren und Vergleichstransaktionen. Das Ergebnis ist eine Spanne mit offengelegten Annahmen, die wir gegenüber Investoren und Käufern vertreten.
Diese Spanne ist eine Verhandlungsgrundlage, kein Gutachten. Brauchst du einen Wert für das Finanzamt, für eine Erbschaft oder für ein Gericht, sind Wirtschaftsprüfer und Steuerberatung die richtigen Ansprechpartner. Wenn du deine Zahlen für einen Verkauf oder eine Runde einordnen willst, vereinbare ein Erstgespräch.
Hinweis
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Häufig gestellte Fragen
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