Eigenkapitalquote

In Short

Eigenkapitalquote ist der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital. Sie zeigt, wie viel Verlust ein Unternehmen tragen kann, bevor Gläubiger betroffen sind.

Was ist die Eigenkapitalquote?

Eigenkapitalquote bezeichnet den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens, berechnet als Eigenkapital geteilt durch Bilanzsumme mal 100. Die Bilanzsumme ist die Summe des gesamten Vermögens und entspricht stets der Summe aus Eigenkapital und Schulden. Die Quote zeigt, in welchem Umfang das Vermögen mit Mitteln der Gesellschafter statt mit Mitteln von Gläubigern finanziert ist. Damit zeigt sie auch, wie viel Verlust ein Unternehmen auffangen kann, bevor Gläubiger betroffen sind.

Wird eine Werkstatthalle für 1 Mio. Euro zu 300.000 Euro aus eigenen Mitteln und zu 700.000 Euro über ein Bankdarlehen bezahlt, beträgt die Eigenkapitalquote dieser Finanzierung 30 %.

Die Kennzahl gehört zur Bilanzanalyse von Banken, Kreditversicherern und Lieferanten. Sie erscheint als Finanzkennzahl in Kreditverträgen und zählt zu den ersten Werten, die Investoren und Käufer in einer Financial Due Diligence prüfen, der Untersuchung der Finanzzahlen vor Vertragsschluss. Grundlage ist das Eigenkapital laut Bilanz; Banken arbeiten zusätzlich mit einem wirtschaftlich bereinigten Wert.

Bilanzielles Eigenkapital nach HGB

Bei Kapitalgesellschaften gliedert § 266 Abs. 3 HGB das Eigenkapital in fünf Posten:

  • Gezeichnetes Kapital: bei der GmbH das Stammkapital, also der im Gesellschaftsvertrag festgelegte und im Handelsregister eingetragene Nennbetrag des Kapitals. Einlagen, die die Gesellschaft noch nicht eingefordert hat, werden offen davon abgesetzt.
  • Kapitalrücklage: vor allem das Aufgeld und andere Zuzahlungen der Gesellschafter in das Eigenkapital (§ 272 Abs. 2 HGB). Das Aufgeld ist der Betrag, den Investoren bei der Ausgabe neuer Geschäftsanteile über deren Nennbetrag hinaus zahlen. In Finanzierungsrunden fließt der weitaus größte Teil des Investments hierher. Investoren übernehmen neue Geschäftsanteile häufig zum Nennbetrag und leisten den Rest als Aufgeld oder als Zuzahlung, die im Beteiligungsvertrag vereinbart ist.
  • Gewinnrücklagen: einbehaltene Gewinne früherer Jahre, etwa aufgrund der Satzung oder eines Gesellschafterbeschlusses.
  • Gewinnvortrag oder Verlustvortrag: das nicht verwendete Ergebnis der Vorjahre.
  • Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag: das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres.

Nicht zum bilanziellen Eigenkapital gehören Gesellschafterdarlehen, auch wenn sie mit einem Rangrücktritt versehen sind. Mit einem Rangrücktritt erklärt der Gesellschafter, dass er im Ernstfall erst nach allen anderen Gläubigern bedient wird. Das Darlehen bleibt trotzdem eine Verbindlichkeit.

Negatives Eigenkapital und Überschuldung

Übersteigen die aufgelaufenen Verluste das vorhandene Eigenkapital, wird es rechnerisch negativ. Das HGB weist den Betrag dann nicht als negatives Eigenkapital auf der Passivseite aus, sondern am Schluss der Aktivseite als „Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag“ (§ 268 Abs. 3 HGB). Eine Eigenkapitalquote lässt sich in diesem Zustand nicht mehr sinnvoll angeben.

Ein solcher Fehlbetrag bedeutet bilanzielle Überschuldung. Sie ist nicht mit der Überschuldung nach § 19 der Insolvenzordnung (InsO) gleichzusetzen. Diese liegt nur vor, wenn das Vermögen die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt und die Fortführung des Unternehmens in den nächsten zwölf Monaten nicht überwiegend wahrscheinlich ist. Die Einschätzung dazu heißt Fortführungsprognose; fällt sie positiv aus, besteht keine Überschuldung im Sinne der InsO. Gesellschafterdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt bleiben in der Überschuldungsprüfung außer Ansatz (§ 19 Abs. 2 Satz 2 InsO). Für die Geschäftsführung ist ein bilanzieller Fehlbetrag Anlass, die Antragspflicht nach § 15a InsO zu prüfen und die Fortführungsprognose zu dokumentieren, idealerweise gestützt auf eine laufende Krisenfrüherkennung.

Verlust der Hälfte des Stammkapitals

Schon vorher greift eine gesellschaftsrechtliche Pflicht. Ergibt sich aus der Jahresbilanz oder einer unterjährigen Bilanz, dass die Hälfte des Stammkapitals verloren ist, muss die Geschäftsführung unverzüglich eine Gesellschafterversammlung einberufen (§ 49 Abs. 3 GmbHG). Unterlässt sie die Anzeige des Verlusts an die Gesellschafter, ist das nach § 84 GmbHG strafbar. Nach verbreiteter Auffassung kommt es darauf an, ob das bilanzielle Eigenkapital unter die Hälfte des Stammkapitals gesunken ist; Rücklagen fangen Verluste also zunächst auf. Bei hohen Kapitalrücklagen wird die Schwelle deshalb erst spät erreicht, dann aber kurz vor dem vollständigen Verzehr des Eigenkapitals.

Wirtschaftliches Eigenkapital aus Sicht von Banken

Banken beurteilen die Eigenkapitalausstattung nicht allein nach der Bilanz. Für die Kreditentscheidung bilden sie ein wirtschaftliches Eigenkapital, dessen Berechnung von Institut zu Institut abweicht. Hinzugerechnet werden häufig Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt, soweit sie langfristig im Unternehmen verbleiben. Hinzu kommt Mezzanine-Kapital mit Eigenkapitalcharakter, eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital wie Nachrangdarlehen oder stille Beteiligungen. Abgezogen werden häufig Posten, deren Werthaltigkeit im Krisenfall zweifelhaft ist, etwa aktivierte selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände, ein Geschäfts- oder Firmenwert oder Forderungen gegen Gesellschafter.

Das Ergebnis fließt in das Rating und damit in Kreditzusage, Zinssatz und Besicherung ein (Bonität). In Kreditverträgen wird eine Mindesteigenkapitalquote häufig als Finanzkennzahl vereinbart, deren Einhaltung die Bank laufend überwacht (Covenants). Der Vertrag legt dann fest, welche Posten hinzugerechnet und abgezogen werden. Weicht diese Definition vom Jahresabschluss ab, ist die Quote für jede Meldung an die Bank gesondert zu rechnen.

Eigenkapitalquote wagniskapitalfinanzierter Unternehmen

Wagniskapital ist Beteiligungskapital, das Investoren jungen Wachstumsunternehmen gegen Geschäftsanteile zur Verfügung stellen. Bei Unternehmen, die sich so über Finanzierungsrunden finanzieren, folgt die Eigenkapitalquote einem typischen Verlauf. Unmittelbar nach einer Runde ist sie hoch, weil die Einzahlungen der Investoren in die Kapitalrücklage fließen und als Bankguthaben auf der Aktivseite stehen. Mit jedem Verlustmonat zehren Verlustvortrag und Jahresfehlbetrag die Kapitalrücklage wirtschaftlich auf; Eigenkapital und Bilanzsumme sinken gleichzeitig, die Quote fällt.

Eine hohe Eigenkapitalquote ist bei diesen Unternehmen daher kein Zeichen von Ertragskraft, sondern Ausdruck der zuletzt eingeworbenen Mittel. Aussagekräftiger ist der Zeitpunkt, zu dem das Eigenkapital ohne neue Mittel negativ würde. Er hängt unmittelbar mit der Runway zusammen, der Zahl der Monate, die die vorhandenen Mittel noch reichen, und damit mit der Planung der nächsten Runde. Ob in der Vergangenheit die Schwelle des § 49 Abs. 3 GmbHG erreicht und die damit verbundenen Pflichten eingehalten wurden, gehört ebenfalls zu den Prüfpunkten der Due Diligence.

Rechenbeispiel

Eine wagniskapitalfinanzierte GmbH weist zum Bilanzstichtag folgendes Eigenkapital aus (Beträge in Tausend Euro): gezeichnetes Kapital 60, Kapitalrücklage 12.000, Verlustvortrag minus 7.500, Jahresfehlbetrag minus 2.400. Die Bilanzsumme beträgt 4.800. In den Verbindlichkeiten enthalten ist ein Gesellschafterdarlehen von 480 mit qualifiziertem Rangrücktritt, also mit Nachrang hinter allen übrigen Gläubigern.

  • Bilanzielles Eigenkapital: 60 plus 12.000 minus 7.500 minus 2.400 = 2.160
  • Eigenkapitalquote: 2.160 / 4.800 = 45 %
  • Wirtschaftliches Eigenkapital mit Gesellschafterdarlehen: 2.160 plus 480 = 2.640
  • Wirtschaftliche Eigenkapitalquote bei unveränderter Bilanzsumme: 2.640 / 4.800 = 55 %
  • Folgejahr mit gleichem Fehlbetrag und ohne neue Mittel: 2.160 minus 2.400 = minus 240, auszuweisen als nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag
  • Schwelle nach § 49 Abs. 3 GmbHG: Hälfte des Stammkapitals = 30; bei gleichmäßigem Verlust von 200 je Monat (2.400 / 12) wird sie nach (2.160 minus 30) / 200 = knapp elf Monaten unterschritten
  • Vollständiger Verzehr des Eigenkapitals: 2.160 / 200 = 10,8 Monate

Trotz einer Quote von 45 % zum Stichtag ist das Unternehmen weniger als elf Monate von der bilanziellen Überschuldung entfernt. Rechnerisch entsteht die Pflicht zur Verlustanzeige nur wenige Tage vorher, weil die hohe Kapitalrücklage die Verluste zunächst auffängt. In der Überschuldungsprüfung nach § 19 InsO bliebe das Rangrücktrittsdarlehen außer Ansatz und verschaffte rechnerisch einen Puffer von 480. Entscheidend ist aber die Fortführungsprognose und damit die Frage, ob die nächste Finanzierungsrunde rechtzeitig gesichert ist.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

  • Verschuldungsgrad: setzt in seiner statischen Form das Fremdkapital ins Verhältnis zum Eigenkapital statt zur Bilanzsumme. Bei gleicher Abgrenzung lassen sich beide Kennzahlen ineinander umrechnen: Eine Eigenkapitalquote von 25 % entspricht einem Verschuldungsgrad von 3,0.
  • Eigenkapitalrentabilität: misst die Verzinsung des Eigenkapitals, nicht seinen Anteil an der Finanzierung. Eine niedrige Eigenkapitalquote kann die Rentabilität erhöhen, erhöht aber zugleich das Risiko.
  • Stammkapital: der im Gesellschaftsvertrag festgelegte Nennbetrag, bei der GmbH mindestens 25.000 Euro (§ 5 Abs. 1 GmbHG), und nur ein Bestandteil des Eigenkapitals.

Typische Fehler

  • Rangrücktritt mit Eigenkapital verwechselt. Ein Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt verbessert die Überschuldungsprüfung und die Sicht der Bank, nicht aber das bilanzielle Eigenkapital.
  • Bilanzielle und insolvenzrechtliche Überschuldung gleichgesetzt. Der Fehlbetrag in der Bilanz löst für sich genommen keine Antragspflicht aus, verlangt aber eine belastbare Fortführungsprognose.
  • Verlustanzeige übersehen. Die Einberufungspflicht nach § 49 Abs. 3 GmbHG gilt auch unterjährig und wird ohne verlässliche Monatsabschlüsse leicht verpasst.
  • Quote zum Stichtag ohne Verlauf. Bei Unternehmen mit laufenden Verlusten sagt die Quote am Bilanzstichtag wenig; maßgeblich ist, wie lange das Eigenkapital beim aktuellen Verlauf positiv bleibt.
  • Vertragliche Definition ignoriert. Wer die vereinbarte Quote aus dem Jahresabschluss abliest, statt die Bereinigungen des Kreditvertrags anzuwenden, meldet der Bank möglicherweise einen falschen Wert.

Häufige Fragen

Welche Eigenkapitalquote erwarten Banken?

Einen festen Wert gibt es nicht. Die Erwartung hängt von Branche, Geschäftsmodell und Anlageintensität ab; eine höhere Quote verbessert das Rating und den Spielraum für Kredite. Bei Wachstumsunternehmen mit laufenden Verlusten stützen Banken ihre Entscheidung ohnehin stärker auf Liquidität und Investorenbasis als auf die Quote.

Ist eine Eigenkapitalquote von 100 % sinnvoll?

Selten. Ein Unternehmen ohne jedes Fremdkapital verzichtet auf günstigere Finanzierungsquellen und auf die Hebelwirkung für die Eigenkapitalrendite. Zudem weist praktisch jedes Unternehmen Rückstellungen und Lieferantenverbindlichkeiten aus, sodass die Quote unter 100 % liegt.

Zählen Wandeldarlehen zum Eigenkapital?

Bilanziell nicht, solange sie nicht gewandelt sind. Ein Wandeldarlehen ist bis zur Wandlung eine Verbindlichkeit; mit einem qualifizierten Rangrücktritt versehen, rechnen Banken es häufig dem wirtschaftlichen Eigenkapital zu. Mit der Wandlung wird der Betrag in gezeichnetes Kapital und Kapitalrücklage umgebucht.

Wie wirkt eine Finanzierungsrunde auf die Eigenkapitalquote?

Sie erhöht die Quote sofort. Der Einzahlungsbetrag erhöht Eigenkapital und Bankguthaben gleichermaßen, sodass der Eigenkapitalanteil an der gestiegenen Bilanzsumme wächst. Wie lange der Effekt anhält, bestimmt die Verlustrate der folgenden Monate.

Roemer Capital Perspektive

Aus Planung und Monatsabschlüssen rechnen wir vor einer Finanzierungsrunde aus, wann das Eigenkapital ohne neue Mittel die Schwelle des § 49 Abs. 3 GmbHG erreichen würde. Ebenso ermitteln wir, wann es aufgezehrt wäre. Dieser Zeitpunkt bestimmt den nötigen Vorlauf: Bei einer Prozessdauer von 6 bis 8 Monaten muss die Runde deutlich vor diesen Schwellen beginnen.

Wo Überbrückungsfinanzierungen mit Rangrücktritt oder die Fortführungsprognose eine Rolle spielen, liefern wir die Planungsrechnung; die rechtliche Beurteilung übernehmen Kanzlei und Steuerberatung des Mandanten. Gegenüber Banken erläutern wir, wie sich bilanzielles und wirtschaftliches Eigenkapital unterscheiden und warum eine Quote zum Stichtag den Finanzierungsstand eines wachsenden Unternehmens nur unvollständig beschreibt.

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Artikel recherchiert und geschrieben von:

Eigenkapitalquote
Lucas Roemer
CEO von Roemer Capital
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