MoM Growth
MoM Growth ist die prozentuale Veränderung einer Kennzahl gegenüber dem Vormonat, meist des MRR, berechnet als Monatswert geteilt durch Vormonatswert minus 1.
Was ist MoM Growth?
MoM Growth (Month over Month Growth, Wachstum gegenüber dem Vormonat) bezeichnet die prozentuale Veränderung einer Kennzahl von einem Monat zum folgenden. Gemessen wird in der Regel der wiederkehrende Monatsumsatz (Monthly Recurring Revenue, MRR), bei Plattformen auch das Transaktionsvolumen oder die Zahl aktiver Kunden. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Monatswachstum und monatliche Wachstumsrate.
Die Kennzahl gehört zum monatlichen Berichtswesen (Management Reporting) junger Technologieunternehmen mit wiederkehrenden Erlösen. Sie erscheint im Investoren-Update, im Pitch Deck und im Finanzmodell; in einer Finanzierungsrunde fordern Investoren sie als vollständige Monatsreihe an. Mit wachsender Größe und längerer Historie tritt der Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum (YoY Growth) in den Vordergrund, weil er saisonale Muster ausgleicht.
MoM Growth berechnen: Formel und Bezugsgröße
Die Rate ergibt sich aus dem Verhältnis des aktuellen Monatswerts zum Wert des Vormonats.
Formel: MoM Growth = (Wert des aktuellen Monats ÷ Wert des Vormonats) − 1, angegeben in Prozent
Steigt der wiederkehrende Monatsumsatz von 100.000 Euro im April auf 105.000 Euro im Mai, ergibt sich für den Mai: 105.000 ÷ 100.000 = 1,05; minus 1 = 5 %.
Wichtiger als die Formel ist die Bezugsgröße. Der wiederkehrende Monatsumsatz ist ein Stichtagswert zum Monatsende: die Summe aller laufenden Abonnements, umgerechnet auf einen Monat. Der Umsatz laut Monatsabschluss ist dagegen eine Zeitraumgröße, die auch einmalige Erlöse enthält. Beide Reihen können im selben Monat sehr unterschiedliche Raten ergeben.
Die Veränderung des wiederkehrenden Umsatzes ist stets eine Nettogröße aus Neugeschäft, Ausweitung bei Bestandskunden, Verkleinerung und Kündigungen. Eine hohe Rate kann deshalb aus starkem Neugeschäft bei gleichzeitig hoher Abwanderung entstehen. Für die Beurteilung wird die Rate in diese vier Bestandteile zerlegt, die sogenannte MRR-Brücke, und zusammen mit der Kündigungsquote (Churn Rate) betrachtet.
MoM Growth in eine Jahresrate umrechnen
Monatliches Wachstum wirkt wie Zinseszins, weil jeder Monat auf der bereits erhöhten Basis des Vormonats aufsetzt. Aus 100 Euro werden bei 5 % im Monat nach einem Monat 105 Euro und nach zwei Monaten 110,25 Euro. Die Umrechnung in eine Jahresrate erfolgt deshalb durch Potenzieren, nicht durch Multiplikation mit zwölf.
Formel: Jahresrate = (1 + Monatsrate) hoch 12 − 1; umgekehrt Monatsrate = (1 + Jahresrate) hoch (1/12) − 1
Die Unterschiede sind erheblich. Ein Monatswachstum von 2 % entspricht rund 26,8 % im Jahr, 5 % entsprechen rund 79,6 %, 10 % rund 213,8 %. Umgekehrt setzt eine Verdopplung innerhalb eines Jahres ein durchschnittliches Monatswachstum von rund 5,9 % voraus, eine Verdreifachung rund 9,6 %. Ein Planungsfehler von einem Prozentpunkt im Monat verschiebt den Jahreswert um weit mehr als zwölf Prozentpunkte. Bei 6 % statt 5 % im Monat steigt das Jahreswachstum von rund 79,6 % auf rund 101,2 %.
Für die Beurteilung eines Verlaufs ist die durchschnittliche monatliche Wachstumsrate über mehrere Monate (Compound Monthly Growth Rate) aussagekräftiger als jeder Einzelwert. Sie beantwortet die Frage, um wie viel Prozent der Wert jeden Monat gleichmäßig hätte steigen müssen, um vom Anfangs- zum Endwert zu kommen. Berechnet wird sie nach derselben Regel: Endwert geteilt durch Anfangswert, hoch (1/Anzahl der Monate), minus 1. Über drei, sechs und zwölf Monate nebeneinandergestellt, zeigt sie, ob sich das Tempo hält oder abschwächt. Das Gegenstück über mehrere Jahre ist die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate, CAGR).
Verzerrungen durch Basis, Saison und Einmaleffekte
Kleine Ausgangswerte
Steigt der wiederkehrende Umsatz von 2.000 auf 4.000 Euro, beträgt das Wachstum 100 %, obwohl ein einzelner zusätzlicher Kunde dafür genügen kann. Mit wachsender Basis sinken die Raten in der Regel, weil derselbe absolute Zuwachs einen immer kleineren Anteil ausmacht. Eine sinkende Monatsrate ist deshalb für sich genommen kein Warnsignal. Aussagekräftiger ist, ob der absolute Zuwachs je Monat steigt.
Saison und Kalender
Im Geschäft mit Unternehmenskunden häufen sich Vertragsabschlüsse oft zum Quartals- und Jahresende, während Urlaubszeiten schwächer ausfallen können. Bei nutzungsabhängigen Umsätzen wirkt sich die Zahl der Kalender- und Arbeitstage aus; ein Februar hat bis zu drei Tage weniger als Januar und März. Der Vergleich zweier aufeinanderfolgender Monate enthält diese Effekte vollständig, erst der Vorjahresvergleich oder eine Glättung über mehrere Monate gleicht sie aus.
Einmaleffekte und Abgrenzung
Einrichtungs- und Beratungsleistungen, einmalige Lizenzverkäufe und Projekterlöse gehören nicht in eine Rate, die das laufende Wachstum beschreibt. Verzerrungen entstehen auch, wenn Jahresverträge im Voraus abgerechnet werden. Im Jahresabschluss nach HGB wird eine solche Vorauszahlung über einen passiven Rechnungsabgrenzungsposten, einen Bilanzposten für im Voraus erhaltene Zahlungen, auf die Laufzeit verteilt. Im wiederkehrenden Monatsumsatz zählt sie mit einem Zwölftel. Unterjährig unterbleibt die Abgrenzung nicht selten, und die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA, der monatliche Auswertungsbericht der Buchhaltung) zeigt den vollen Rechnungsbetrag im Abrechnungsmonat. Eine Rate auf dieser Basis zeigt dann einen Ausschlag und im Folgemonat einen scheinbaren Rückgang.
Die Monatsreihe in Finanzierungsrunde und Due Diligence
In einer Finanzierungsrunde der Series A, der ersten größeren Runde nach dem Markteintritt, ist die Monatsreihe des wiederkehrenden Umsatzes häufig die wichtigste Wachstumsgröße. Die Historie ist dann für eine Reihe von Jahresvergleichen oft noch zu kurz. Investoren achten dabei stärker auf die Stetigkeit als auf den höchsten Einzelwert: Gleichmäßiges Wachstum spricht für einen wiederholbaren Vertrieb, starke Schwankungen deuten auf die Abhängigkeit von einzelnen Abschlüssen. Die im Finanzmodell unterstellten Monatsraten müssen an diese Reihe anschließen oder die Abweichung begründen.
Käufer und Investoren gleichen die Reihe in der Due Diligence mit den Umsatzerlösen der Buchhaltung, mit Verträgen und Rechnungen ab. Die Prüfer sehen sich auch an, wie Rabatte, Testphasen und gekündigte, aber noch laufende Verträge behandelt wurden und ob die Definitionen über den gesamten Zeitraum gleich geblieben sind.
Rechenbeispiel: MoM Growth berechnen und hochrechnen
Ein Softwareunternehmen weist den wiederkehrenden Monatsumsatz jeweils zum Monatsende aus. Er lag im Juni des Vorjahres bei 50.000 Euro, im März bei 76.000 Euro, im Mai bei 80.000 Euro und im Juni des laufenden Jahres bei 88.000 Euro.
- Wachstum im Juni: 88.000 ÷ 80.000 = 1,10; minus 1 = 10,0 %
- Lineare Hochrechnung dieses Monats, methodisch falsch: 12 × 10,0 % = 120 %
- Hochrechnung dieses Monats mit Zinseszins: 1,10 hoch 12 = 3,138; minus 1 = 213,8 %; aus 88.000 Euro würden nach zwölf Monaten rechnerisch rund 276.200 Euro
- Durchschnittliche Monatsrate der letzten drei Monate, also von März bis Juni: 88.000 ÷ 76.000 = 1,1579; hoch (1/3) = 1,0501; minus 1 = 5,0 %
- Durchschnittliche Monatsrate über zwölf Monate, also seit dem Juni des Vorjahres: 88.000 ÷ 50.000 = 1,76; hoch (1/12) = 1,0482; minus 1 = 4,8 %
- Probe: 1,0482 hoch 12 = 1,759, gerundet 1,76; das entspricht einem Wachstum gegenüber dem Vorjahresmonat von 76 %
- Fortschreibung mit der Zwölfmonatsrate: 88.000 × 1,76 = 154.880 Euro nach weiteren zwölf Monaten
Der Juni allein legt ein Jahreswachstum von über 200 % nahe. Die Durchschnittsraten über drei und zwölf Monate liegen dagegen übereinstimmend bei rund 5 % im Monat. April und Mai zusammen kamen nur auf rund 2,6 % je Monat, der Juni war ein Ausreißer nach oben. Die Fortschreibung des Einzelmonats überzeichnet den Monatsumsatz nach zwölf Monaten um rund 121.300 Euro. Für die Planung taugt deshalb nur die Durchschnittsrate.
Abgrenzung: MoM Growth, YoY Growth, Durchschnittsrate und ARR
- YoY Growth: vergleicht mit demselben Zeitraum des Vorjahres und gleicht stabile saisonale Muster aus. MoM Growth zeigt das aktuelle Tempo, YoY Growth die Entwicklung über einen vollständigen Jahreszyklus.
- Durchschnittliche monatliche Wachstumsrate: fasst mehrere Monate zu einem geglätteten Wert zusammen und ist weniger anfällig für Ausreißer als die Rate eines einzelnen Monats.
- ARR: der wiederkehrende Jahresumsatz, meist das Zwölffache des MRR. Bei dieser Abgrenzung sind die Wachstumsraten von ARR und MRR identisch.
Typische Fehler
- Bester Monat als Beleg. Wird ein einzelner starker Monat als Wachstumsrate präsentiert, gleichen Investoren ihn mit der vollständigen Reihe ab. Die Abweichung fällt spätestens in der Due Diligence auf.
- Lineare Hochrechnung. Die Multiplikation der Monatsrate mit zwölf unterschätzt das Jahreswachstum, die Fortschreibung eines Spitzenmonats mit Zinseszins überschätzt es. Beides ersetzt keine Durchschnittsrate über mehrere Monate.
- Raten ohne Beträge. Hohe Prozentwerte auf kleiner Basis sagen wenig über die Größe des Geschäfts. Neben jede Rate gehört der Umsatz in Euro.
- Vermischte Bezugsgrößen. Werden Wachstum des wiederkehrenden Umsatzes, der Umsatzerlöse und der Nutzerzahl ohne Kennzeichnung nebeneinandergestellt, sind die Raten nicht vergleichbar.
- Rückwirkend geänderte Abgrenzung. Werden etwa Testkunden später in den wiederkehrenden Umsatz einbezogen, ohne die Vormonate neu zu berechnen, sind frühere und spätere Monate nicht mehr vergleichbar.
Häufige Fragen
Wie wird MoM Growth berechnet?
Der Wert des aktuellen Monats wird durch den Wert des Vormonats geteilt, davon wird 1 abgezogen und das Ergebnis in Prozent angegeben. In einer Tabellenkalkulation wie Excel lautet die Formel bei Vormonatswert in Zelle B2 und aktuellem Wert in Zelle B3: =B3/B2-1, als Prozent formatiert.
Was ist eine gute MoM-Wachstumsrate?
Einen allgemeingültigen Richtwert gibt es nicht. Die Beurteilung hängt von Phase, Größe und Geschäftsmodell ab. Als grobe Faustregel sind auf kleiner Basis zweistellige Monatsraten erreichbar, bei mehreren Millionen Euro wiederkehrendem Umsatz sind einstellige Raten die Regel. Aussagekräftiger als ein Vergleichswert ist, ob die eigene Rate über mehrere Monate stabil bleibt und der absolute Zuwachs steigt.
Ab wann ist der Vorjahresvergleich aussagekräftiger?
Sobald die Historie deutlich mehr als zwölf Monate umfasst und eine Reihe von Vorjahresvergleichen erlaubt. Bei Geschäftsmodellen mit ausgeprägter Saison ist er dann die maßgebliche Sicht, während der Monatsvergleich weiterhin das aktuelle Tempo zeigt.
Muss die Rate nach Kündigungen berechnet werden?
Ja, wenn sie das Wachstum des wiederkehrenden Umsatzes beschreiben soll. Die Veränderung des MRR enthält Kündigungen und Verkleinerungen bereits. Eine Rate, die nur das Neugeschäft abbildet, ist als Bruttowert zu kennzeichnen und ersetzt die Nettorate nicht.
Wie viele Monate gehören in Investorenunterlagen?
Als Faustregel die letzten zwölf bis 24 Monate, ergänzt um geglättete Durchschnittsraten. Eine verkürzte Reihe wird in der Due Diligence ohnehin vollständig angefordert.
Roemer Capital Perspektive
Monatliche Wachstumsraten legen wir Investoren nicht als Einzelwert vor, sondern als vollständige Reihe mit den Beträgen in Euro. Dazu gehören die Zerlegung in Neugeschäft, Ausweitung und Kündigungen sowie die Durchschnittsraten über drei, sechs und zwölf Monate. Diese Darstellung beantwortet vorab die Fragen, die in der Due Diligence ohnehin gestellt werden.
Im Finanzmodell, das wir mit Mandanten über mindestens drei Jahre in einem Basis-, einem vorsichtigen und einem optimistischen Fall aufbauen, leiten wir die geplanten Monatsraten aus der bisherigen Reihe ab. Liegt die Planung deutlich über dem historischen Tempo, begründen wir den Unterschied mit konkreten Maßnahmen, etwa mit zusätzlicher Vertriebskapazität, die aus der Finanzierungsrunde bezahlt wird.
Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.
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