YoY Growth

Kurz erklärt

YoY Growth ist das Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum, berechnet als aktueller Wert geteilt durch Vorjahreswert minus 1; Saisoneffekte fallen heraus.

Was ist YoY Growth?

YoY Growth (Year over Year Growth, Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum) bezeichnet die prozentuale Veränderung einer Kennzahl im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres. Verglichen werden gleich lange Perioden mit derselben Lage im Jahr: ein Monat mit dem Vorjahresmonat, ein Quartal mit dem Vorjahresquartal, ein Geschäftsjahr mit dem vorangegangenen. Dadurch fallen Einflüsse heraus, die jedes Jahr zur selben Zeit auftreten, etwa ein regelmäßig schwacher August. Im Deutschen heißt die Kennzahl meist Vorjahresvergleich oder Wachstum gegenüber Vorjahr.

Der Vorjahresvergleich ist die Grundform der Wachstumsmessung in Jahresabschluss, Controlling und Investorenkommunikation. Das HGB verlangt, in Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung zu jedem Posten den Betrag des vorhergehenden Geschäftsjahrs anzugeben (§ 265 Abs. 2 HGB). Auch viele betriebswirtschaftliche Auswertungen, die monatlichen Auswertungen der Buchhaltung, stellen den laufenden Werten die des Vorjahres gegenüber. Investoren und Erwerber richten in Finanzierungsrunden und Unternehmensverkäufen die Bewertung unter anderem am Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr aus.

YoY Growth berechnen: Formel und Vergleichszeiträume

Die Rechenregel ist dieselbe wie bei jeder Wachstumsrate.

Formel: YoY Growth = (Wert der aktuellen Periode ÷ Wert der Vorjahresperiode) − 1, angegeben in Prozent

Unterschiede entstehen durch die Wahl der Periode:

  • Vorjahresmonat und Vorjahresquartal: zeigen die unterjährige Entwicklung ohne den Einfluss gleichbleibender saisonaler Muster.
  • Letzte zwölf Monate (Last Twelve Months, LTM): Die Summe der jeweils letzten zwölf Monate wird mit den zwölf Monaten davor verglichen und zu jedem Monats- oder Quartalsende fortgeschrieben. Diese Sicht ist in Bewertung und Unternehmenskauf verbreitet.
  • Stichtagswerte: Beim wiederkehrenden Jahresumsatz (Annual Recurring Revenue, ARR), dem auf ein Jahr hochgerechneten Wert aller laufenden Abonnements, wird der Wert zum Periodenende mit dem Wert zwölf Monate zuvor verglichen.
  • Geschäftsjahr: Vergleich der Umsatzerlöse zweier Jahresabschlüsse. War das Vorjahr ein Rumpfgeschäftsjahr, etwa nach der Gründung oder einer Umstellung des Geschäftsjahrs, umfasst es weniger als zwölf Monate und ist ohne Anpassung nicht vergleichbar.

Das ARR-Wachstum zum Jahresende und das Wachstum der Umsatzerlöse desselben Jahres stimmen in der Regel nur überein, wenn das prozentuale Wachstumstempo über beide Jahre gleich bleibt. Beschleunigt sich das Wachstum, liegt die Stichtagsrate über der Rate der Umsatzerlöse, schwächt es sich ab, darunter.

Umrechnung in Monatsraten und Wachstum über mehrere Jahre (CAGR)

Für die Umrechnung in das Monatswachstum (MoM Growth) gilt die Zinseszinsregel in umgekehrter Richtung: (1 + Jahresrate) hoch (1/12), minus 1. Ein Jahreswachstum von 30 % entspricht rund 2,2 % im Monat, eine Verdopplung rund 5,9 %. Die einfache Division durch zwölf überschätzt das erforderliche Monatswachstum, weil sie den Zinseszins vernachlässigt.

Über mehrere Jahre wird das Wachstum als durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate, CAGR) angegeben.

Formel: CAGR = (Endwert ÷ Anfangswert) hoch (1 ÷ Anzahl der Jahre) − 1

Anschaulich ist sie das gleichbleibende jährliche Wachstum, das vom Anfangswert genau zum Endwert führt. Die Rate glättet schwankende Einzeljahre und ist die übliche Form, in der Planwachstum in Businessplan und Finanzmodell zusammengefasst wird.

Das arithmetische Mittel einzelner Jahresraten, also ihre Summe geteilt durch die Zahl der Jahre, ist dafür ungeeignet. Es liegt bei schwankenden Raten stets über dem tatsächlichen Durchschnittswachstum und führt in der Fortschreibung zu überhöhten Werten. Das zeigt ein Jahr mit plus 100 % und ein Folgejahr mit minus 50 %. Das arithmetische Mittel beträgt 25 %, der Wert liegt am Ende aber genau wieder beim Ausgangswert, die CAGR beträgt 0 %.

Verzerrungen durch Basis, Einmaleffekte und Zukäufe

Basiseffekt

Die Rate hängt ebenso vom Vorjahreswert ab wie vom aktuellen Wert. War das Vorjahresquartal durch den Verlust eines Großkunden ungewöhnlich schwach, erscheint das Wachstum hoch, ohne dass sich das Geschäft verbessert hat; ein ungewöhnlich starkes Vorjahr wirkt umgekehrt wie eine Abschwächung. Aus demselben Grund fallen die Raten in den ersten Jahren nach dem Markteintritt sehr hoch aus und sinken später zwangsläufig.

Verschobene Saison

Saisonale Muster gleicht der Vorjahresvergleich nur aus, wenn sie in beiden Jahren gleich verlaufen. Verschiebt sich ein Effekt zwischen den Perioden, etwa durch die Lage von Feiertagen, einen verlegten Messetermin oder die Umstellung von Vertragslaufzeiten auf das Kalenderjahr, verzerrt er auch diesen Vergleich.

Einmaleffekte, Zukäufe und Bilanzierungsänderungen

Einmalige Projekte, Lizenzverkäufe oder Nachberechnungen in einer der beiden Perioden werden in einer bereinigten Rate herausgerechnet. Umsatz zugekaufter Unternehmen ist vom organischen Wachstum zu trennen, bei internationalem Geschäft wird häufig zusätzlich währungsbereinigt. Auch eine geänderte Bilanzierung verschiebt die Vergleichsbasis, etwa bei Plattformen der Wechsel vom Bruttoausweis (der gesamte vermittelte Betrag gilt als Umsatz) zum Nettoausweis (nur die eigene Provision). Der Vorjahreswert wird dann nach der neuen Methode ermittelt.

YoY Growth in Bewertung, Finanzierungsrunde und Unternehmenskauf

Bei wachstumsstarken Unternehmen bestimmt das Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr weitgehend, welcher Umsatzmultiplikator (Revenue Multiple) angesetzt wird, also mit welchem Vielfachen des Umsatzes das Unternehmen bewertet wird. Zusammen mit der Ergebnismarge bildet es die Rule of 40: Wachstumsrate und Ergebnismarge, beide in Prozent, sollen zusammen mindestens 40 ergeben. Investoren betrachten neben der aktuellen Rate ihren Verlauf über mehrere Quartale: Ein anhaltend sinkendes Wachstum wird anders beurteilt als ein einzelnes schwaches Quartal mit erklärbarer Ursache.

In der Due Diligence wird das berichtete Wachstum zerlegt: wiederkehrende und einmalige Umsätze, Neukunden und Bestandskunden, Preis- und Mengeneffekte, organisches und zugekauftes Wachstum. Liegt das geplante Wachstum deutlich über der bereinigten historischen Rate, verlangen Käufer eine Begründung aus Vertriebspipeline, Preismaßnahmen oder neuen Märkten. Alternativ verlagern sie einen Teil des Kaufpreises in ein Earn-Out.

Rechenbeispiel: YoY Growth bereinigen und CAGR berechnen

Ein Anbieter von Software für Logistikunternehmen erzielt im dritten Quartal des Vorjahres 1.500.000 Euro Umsatz ohne Einmaleffekte, im dritten Quartal des laufenden Jahres 2.100.000 Euro. Darin enthalten ist ein einmaliger Einführungsauftrag über 150.000 Euro. Das zweite Quartal lag im laufenden Jahr bei 2.000.000 Euro, im Vorjahr bei 1.550.000 Euro, jeweils ohne Einmaleffekte.

  • Unbereinigtes Wachstum: 2.100.000 ÷ 1.500.000 = 1,40; minus 1 = 40,0 %
  • Bereinigter Quartalsumsatz: 2.100.000 minus 150.000 = 1.950.000 Euro
  • Bereinigtes Wachstum: 1.950.000 ÷ 1.500.000 = 1,30; minus 1 = 30,0 %
  • Monatliches Äquivalent: 1,30 hoch (1/12) = 1,0221; minus 1 = 2,2 %
  • Vergleich mit dem Vorquartal: 1.950.000 ÷ 2.000.000 = 0,975; minus 1 = minus 2,5 %
  • Derselbe Vergleich im Vorjahr: 1.500.000 ÷ 1.550.000 = 0,968; minus 1 = minus 3,2 %

Der Rückgang gegenüber dem Vorquartal spricht für einen saisonalen Effekt, denn er tritt in beiden Jahren auf. Der Vorjahresvergleich zeigt, dass das Geschäft wächst, und der Einmaleffekt erklärt zehn Prozentpunkte der ausgewiesenen Rate.

Über mehrere Jahre betrachtet, weist dasselbe Unternehmen für die Jahre 1 bis 4 folgende Jahresumsätze aus: 4,0 Mio., 5,6 Mio., 6,4 Mio. und 8,0 Mio. Euro.

  • Einzelne Jahresraten: 5,6 ÷ 4,0 minus 1 = 40,0 %; 6,4 ÷ 5,6 minus 1 = 14,3 %; 8,0 ÷ 6,4 minus 1 = 25,0 %
  • Arithmetisches Mittel: (40,0 + 14,3 + 25,0) ÷ 3 = 26,4 %
  • Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate über drei Jahresschritte: 8,0 ÷ 4,0 = 2,0; hoch (1/3) = 1,2599; minus 1 = 26,0 %
  • Probe: 4,0 Mio. × 1,2599 hoch 3 = 8,0 Mio. Euro; mit dem arithmetischen Mittel ergäben sich 4,0 Mio. × 1,264 hoch 3 = rund 8,1 Mio. Euro

Die Planung mit dem arithmetischen Mittel von 26,4 % überschätzt den Endwert schon nach drei Jahren um rund 78.000 Euro. Je stärker die Einzeljahre schwanken, desto größer wird diese Abweichung. Planung und Bewertung arbeiten deshalb mit der CAGR.

Abgrenzung: YoY Growth, MoM Growth, organisches Wachstum, Run-Rate

  • MoM Growth: vergleicht mit dem unmittelbar vorangehenden Monat. Die Rate zeigt das aktuelle Tempo, enthält aber saisonale Schwankungen vollständig.
  • Organisches Wachstum: Wachstum ohne Zukäufe und Veräußerungen, häufig zusätzlich währungsbereinigt. An dieser Größe wird die eigene Vertriebsleistung gemessen.
  • Run-Rate: die Hochrechnung eines kurzen Zeitraums, etwa eines Monats, auf ein Jahr. Beschrieben wird ein Niveau, kein Wachstum.

Typische Fehler

  • Prozentwerte ohne Absolutwerte. Eine Rate lässt sich nur zusammen mit den Beträgen beider Perioden einordnen, weil derselbe Prozentwert auf unterschiedlicher Basis sehr unterschiedliche Zuwächse beschreibt.
  • Ungleiche Perioden. Ein Rumpfgeschäftsjahr, eine abweichende Zahl von Arbeitstagen oder ein verschobener Abrechnungszyklus machen Perioden unvergleichbar, wenn sie nicht angepasst werden.
  • Einmaleffekte im Vergleich belassen. Ein großes Projekt in einer der beiden Perioden verzerrt die Rate; es wird benannt und in einer bereinigten Rate herausgerechnet.
  • Zugekauftes Wachstum als eigenes ausweisen. Umsatz erworbener Unternehmen erhöht die Rate, ohne etwas über die Vertriebsleistung auszusagen.
  • Mittelwert statt Durchschnittsrate. Das arithmetische Mittel schwankender Jahresraten überzeichnet das tatsächliche Wachstum und führt in der Planung zu überhöhten Werten.

Häufige Fragen

Wie wird YoY Growth berechnet?

Der Wert der aktuellen Periode wird durch den Wert derselben Periode des Vorjahres geteilt, von dem Ergebnis wird 1 abgezogen. 1,3 Mio. Euro Umsatz im dritten Quartal nach 1,0 Mio. Euro im Vorjahresquartal ergeben 30 %. In Excel lautet die Formel bei Vorjahreswert in A2 und aktuellem Wert in B2: =B2/A2-1, im Prozentformat.

Was ist ein gutes YoY-Wachstum?

Das hängt von Größe, Phase und Marge ab. Hohe Raten auf kleiner Basis sind leichter zu erreichen als moderate Raten auf großer Basis. Die Rule of 40 beurteilt Wachstum deshalb zusammen mit der Ergebnismarge. So ergeben 25 % Wachstum bei 20 % Marge denselben Wert von 45 wie 60 % Wachstum bei minus 15 % Marge.

Wie wird ein Rumpfgeschäftsjahr in den Vergleich einbezogen?

Nicht unmittelbar. Umfasst das Vorjahr etwa nur acht Monate, ist der Vergleich der Jahresabschlüsse nicht aussagekräftig. Verglichen werden dann gleiche Kalendermonate beider Jahre oder die Werte der letzten zwölf Monate; eine Hochrechnung des Rumpfjahrs auf zwölf Monate ist als solche zu kennzeichnen.

Ab welcher Historie ist der Vorjahresvergleich möglich?

Ein erster Monatsvergleich ist nach 13 Monaten möglich, eine belastbare Reihe von Vorjahresvergleichen entsteht nach etwa zwei Jahren. Bis dahin ist die Monatsreihe die wichtigere Informationsquelle.

Roemer Capital Perspektive

Für Investorenunterlagen bereiten wir das Wachstum gegenüber dem Vorjahr in zwei Fassungen auf: wie ausgewiesen und bereinigt um Einmaleffekte, Zukäufe und Bilanzierungsänderungen. Beide Fassungen zeigen die Beträge beider Perioden und eine Überleitung. Diese Überleitung prüfen Investoren in der Due Diligence; liegt sie vorab im Datenraum, entfällt die Rückfrage.

Im Unternehmensverkauf, der in der Regel sechs bis zwölf Monate dauert, stellen wir die Wachstumsreihe auf Basis der jeweils letzten zwölf Monate zu jedem Quartalsende dar. Käufer lesen daraus ab, ob sich das Wachstum hält, und die Planung im Finanzmodell muss an diesen Verlauf anschließen. Einen Rückgang in der Reihe erläutern wir vor dem ersten Angebot, damit er nicht erst in der Kaufpreisverhandlung zum Thema wird.

Zuletzt geprüft am 6. Oktober 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

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Artikel recherchiert und geschrieben von:

YoY Growth
Lucas Roemer
Gründer und CEO
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