Tilgung
Tilgung ist die Rückzahlung der Kreditsumme. Ihre Struktur entscheidet, wie stark ein Kredit die laufende Liquidität belastet.
Was ist Tilgung?
Tilgung ist die Rückzahlung des geliehenen Betrags. Sie ist zu unterscheiden vom Zins, der der Preis für die Überlassung ist.
Der Unterschied ist buchhalterisch wichtig: Zinsen mindern den Gewinn, Tilgung nicht. Tilgung verringert eine Verbindlichkeit in der Bilanz — sie kostet Liquidität, aber sie ist kein Aufwand.
Das führt zu einer Situation, die viele überrascht: Ein Unternehmen kann Gewinn ausweisen und trotzdem kein Geld haben, weil die Tilgung den gesamten Überschuss aufzehrt — und obendrein aus versteuertem Gewinn geleistet werden muss.
Die drei Formen
- Annuitätendarlehen: Die Rate bleibt gleich. Anfangs ist der Zinsanteil hoch und der Tilgungsanteil niedrig, mit der Zeit dreht sich das Verhältnis. Planbar und deshalb verbreitet.
- Ratendarlehen: Die Tilgung bleibt gleich, die Rate sinkt im Zeitverlauf, weil die Zinsen auf eine kleinere Restschuld berechnet werden. Anfangs höhere Belastung, insgesamt weniger Zinsen.
- Endfälliges Darlehen: Während der Laufzeit nur Zinsen, die gesamte Summe am Ende. Schont die laufende Liquidität und verlagert das Problem.
Rechenbeispiel
500.000 Euro, 5 Prozent Zins, 10 Jahre.
- Annuität: rund 64.800 Euro im Jahr, gleichbleibend. Gesamtzinsen rund 148.000 Euro.
- Ratendarlehen: erste Jahresrate 75.000 Euro (50.000 Tilgung + 25.000 Zins), letzte rund 52.500. Gesamtzinsen rund 137.500 Euro.
- Endfällig: 25.000 Euro Zins im Jahr, am Ende 500.000 Euro auf einmal. Gesamtzinsen 250.000 Euro.
Die endfällige Variante kostet über 100.000 Euro mehr an Zinsen und stellt am Ende eine Zahlung, die das Zehnfache der bisherigen Jahresbelastung beträgt.
Die tilgungsfreie Anlaufzeit
Der praktisch wichtigste Verhandlungspunkt bei Investitionskrediten. Ein oder zwei tilgungsfreie Jahre am Anfang schaffen Luft in genau der Phase, in der die Investition noch keinen Ertrag bringt.
Der Preis dafür ist überschaubar: etwas mehr Gesamtzinsen, weil die Restschuld länger hoch bleibt. Der Nutzen ist erheblich, wenn eine neue Maschine erst nach neun Monaten produziert.
Sondertilgung
Das Recht, außerplanmäßig zurückzuzahlen, gehört in jeden Vertrag. Ohne es kostet eine vorzeitige Ablösung eine Vorfälligkeitsentschädigung.
Relevant wird das bei einem Unternehmensverkauf: Viele Kreditverträge werden bei einem Gesellschafterwechsel fällig gestellt. Wer dann nur mit Entschädigung ablösen kann, trägt eine Position, die im Kaufpreis niemand eingeplant hat.
Typische Fehler
- Tilgung als Aufwand rechnen. Sie mindert den Gewinn nicht und muss aus versteuertem Geld kommen.
- Laufzeit und Nutzungsdauer nicht abstimmen. Eine Maschine, die zehn Jahre läuft, über drei Jahre zu tilgen, erzeugt unnötigen Druck.
- Keine tilgungsfreie Zeit vereinbaren. Sie ist fast immer verhandelbar.
- Sondertilgungsrecht auslassen. Es kostet wenig und ist bei einem Verkauf viel wert.
- Endfällig ohne Plan für das Ende. Die Refinanzierung gehört zwei Jahre vorher vorbereitet.
Häufige Fragen
Welche Form ist die beste?
Bei Investitionen mit gleichmäßigem Ertrag die Annuität, wegen der Planbarkeit. Bei hoher Anfangsbelastung ein Ratendarlehen mit tilgungsfreier Zeit. Endfällig nur mit klarem Plan für die Schlusszahlung.
Wie lange sollte die Laufzeit sein?
Ungefähr so lang wie die Nutzungsdauer des finanzierten Guts. Wer kürzer tilgt, belastet die Liquidität unnötig; wer länger tilgt, zahlt für etwas, das er nicht mehr hat.
Was ist eine Vorfälligkeitsentschädigung?
Ein Ausgleich für entgangene Zinsen bei vorzeitiger Rückzahlung. Sie lässt sich durch vereinbarte Sondertilgungsrechte begrenzen oder vermeiden.
Roemer Capital Perspektive
Wir führen im Finanzmodell Zins und Tilgung getrennt — Zins in der Ergebnisrechnung, Tilgung nur in der Liquidität. Das klingt nach Buchhaltung und ist der Grund, warum manche Planungen scheinbar aufgehen und in der Praxis nicht. Ein Unternehmen mit 200.000 Euro Gewinn und 180.000 Euro Tilgung hat 20.000 Euro Spielraum, nicht 200.000.
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